Preisträger 2015

  • Dr. Ima Avalos Vizcarra

    (geb. 1983) studierte von 2003 bis 2008 Technische Biologie an der Universität Stuttgart und schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab. Ihre Studienarbeit schrieb sie am Massachusetts Institute of Technology und die Diplomarbeit am Institut für Systemdynamik der Universität Stuttgart. Ihre Promotion an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich mit dem Titel „Strategies Underlying Bacterial Survival on Surfaces" erarbeitete sie unter der Leitung von Prof. Dr. Viola Vogel. Seit 2015 arbeitet Ima Avalos Vizcarra als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Labor für angewandte Mechanobiologie der ETH Zürich.

    In ihrem Beitrag „Fresszellen haben den Dreh raus” beschäftigt sich Ima Avalos Vizcarra mit spezifischen Mechanismen der Immunabwehr. Um den menschlichen Körper vor gefährlichen Eindringlingen – etwa krankheitserregenden Bakterien - zu schützen, müssen sogenannte Fresszellen die verdächtigen Eindringlinge erkennen und verschlingen. In ihrer Dissertation erarbeitete die Biotechnologin einerseits, wie die Bakterien ihre eigene Aufnahme in die Immunzellen beeinflussen können. Andererseits untersuchte sie, wie die Immunzellen ihre Beute überwältigen. Sie konnte zeigen, dass die Kräfte, die Immunzellen beim Drücken, Ziehen und Drehen auf ihrer Beute ausüben, dabei eine wichtige Rolle spielen. Ima Avalos Vizcarra erhält den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2015 im Fach Biologie nicht nur, weil sie ihren Lesern den Kampf der Fresszellen mit Eindringlingen in unseren Körper mit starken sprachlichen Bildern nahe gebracht hat. Ihr Text, so freute sich die Jury, ist von Anfang bis Ende gut lesbar und aus einem Guss. Preiswürdig sei auch, wie die Biologin das oft mühevolle wissenschaftliche Arbeiten und ihr Ringen um Ergebnisse in Worte gefasst habe.

  • Dr. Daniel Volz

    (geb. 1986) studierte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Chemie. Seine Diplomarbeit schrieb er über die selbst-katalysierte Quervernetzung von Kupfer(I)-Komplexen. Als Fellow der Karlsruhe School of Optics (KSOP) führte er seine mit summa cum laude ausgezeichnete Promotion ebenfalls am KIT, in der Gruppe von Prof. Dr. Stefan Bräse, durch. Thematisch beschäftigte sich Daniel Volz dabei mit der Verwendung von effizienten, umweltschonenden Kupferleuchtstoffen in organischen Leuchtdioden, sogenannten OLEDs. Für seine Dissertation mit dem Titel „Zweikernige Kupfer(I)-Komplexe als OLED-Leuchtstoffe: Synthese, Eigenschaften und neue Konzepte“ wurde er mit dem Carl-Roth Preis für ressourcenschonende Verwendung von Chemikalien sowie dem Green Photonics Nachwuchspreis für Nachhaltige Photonik ausgezeichnet.

    Während Kühlschränke und Heizungen immer effizienter werden, steigt weltweit der Anteil an Energie, die für Bildschirme und Beleuchtung eingesetzt werden, stark an. In seinem Beitrag „Licht aus dem Drucker“ legt Daniel Volz dar, wie sich Organische Leuchtdioden vielfältig und effizient einsetzen lassen. Die sogenannten OLEDs sind dünne, flexible und gleichzeitig großflächige Lichtquellen. Während sie bereits in Produkten wie Tablet-PCs und Smartwatches eingesetzt werden können, gibt es noch Probleme bei der Verwendung von OLEDs in Lampen und großformatigen Bildschirmen. Dies liegt an der großen Abhängigkeit von extrem seltenen Materialien wie Iridium. Daniel Volz zeigt in seinem Artikel, dass Kupfer sich als nachhaltiger Ersatz für Iridium eignet und legt damit die Grundlage für den breiteren Einsatz der OLEDs.
    „Der Artikel liest sich wie ein Krimi“, urteilte die Jury des Klaus Tschira Preises. Der Autor erkläre „über alle Maßen nachvollziehbar“, was OLEDs sind, welche Probleme bei ihrem Einsatz auftreten und wie diese gelöst werden könnten. Die Jury lobte besonders den Vorspann, der Neugierde wecke, die Alltagssprache und den gekonnten Einsatz von Metaphern – und sprach Daniel Volz den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft im Fach Chemie zu.

  • Dr.-Ing. Peter Salz

    (Peter Salz (geb. 1985) studierte von 2005 bis 2011 Informatik an der Technischen Universität Kaiserslautern. Seine Masterarbeit schrieb er am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern. Seine Dissertation mit dem Titel „Towards Patient-specific Electrical Impedance Tomography using 3D Thorax Models“ erarbeitete er in der Arbeitsgruppe Computergrafik von Prof. Dr. Hans Hagen an der Universität Kaiserslautern in enger Zusammenarbeit mit Medizinern des Universitätsklinikums Leipzig. Dabei war er Mitglied des internationalen Graduiertenkollegs IRTG 1131. Peter Salz verbrachte mehrere Forschungsaufenthalte am Scientific Computing and Imaging Institute in Salt Lake City, USA. Seit Juli 2014 arbeitet er als Postdoc in der AG Computergrafik.

    Wie können Ärzte schwer Lungenkranken, die künstlich beatmet werden, besser helfen? Der Informatiker Peter Salz hat in seinem Artikel „Live-Übertragung aus der Lunge“ beschrieben, wie wesentlich präzisere Bilder der Lunge als bisher möglich sind – ohne Strahlung, kostengünstig am Bett, zeitlich hoch aufgelöst, und nun auch optimiert für die Körper- und Lungenform jedes einzelnen Patienten. Indem sie die Lunge live beim Atmen beobachten, können Ärzte das Beatmungsgerät an jeden Patienten so anpassen, dass geschädigte Lungenbereiche mit der künstlichen Beatmung wieder hergestellt werden können. Als Bindeglied zwischen Informatik und Medizin hat Peter Salz hierzu ein Verfahren entwickelt, das die Elektro-Impedanz-Tomographie um patientenspezifische Computermodelle erweitert – und damit hat er die Lungen-Bildgebung ein ganzes Stück praxistauglicher gemacht.
    Peter Salz erhält den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft im Fach Informatik, weil er seine Forschung an der Schnittstelle von Medizin und Informatik mit schönen Beispielen und Bildern vermittelt. Dabei kommt er in seinem Artikel schnell von der allgemeinen Beschreibung zum eigenen Forschungsbeitrag. Seine Geschichte zeigt, wie Ärzte und Informatiker zum Wohle des Patienten erfolgreich zusammenarbeiten.

  • Dr. Timo Berthold

    Timo Berthold (geb. 1981) studierte von 2001 bis 2006 Mathematik an der TU Berlin, an der er auch promoviert wurde. Während seiner Promotionszeit arbeitete Timo Berthold am Zuse Institut Berlin; er war Hauptentwickler der Optimierungssoftware SCIP. Dazu kam ein halbjähriger Forschungsaufenthalt an der University of Melbourne. Seine mit „summa cum laude“ ausgezeichnete Dissertation trägt den Titel "Heuristic algorithms in global MINLP Solvers". Timo Berthold gewann mit seiner Doktorarbeit den Preis für Dissertationen der Gesellschaft für Operations Research und erreichte das Finale des EURO Doctoral Dissertation Award. Seit Anfang 2014 arbeitet Timo Berthold bei FICO als Entwickler der Xpress Optimization Suite.

    Ideale Busfahrpläne, optimaler Handy-Empfang oder der perfekt abgestimmte Spielplan der Fußball-Bundesliga – Völlig unterschiedliche Bereiche haben eine bestimmte Gemeinsamkeit, die man kaum vermutet: Sie bestehen im Kern aus einem mathematischen Optimierungsproblem. Timo Berthold stellt in seinem Beitrag "Gut geraten" heuristische Verfahren vor, mit denen sich in Sekundenschnelle näherungsweise Lösungen für gigantische mathematische Modelle berechnen lassen. In seinem Beitrag demonstriert er, wie oft uns mathematische Optimierung im Alltag begegnet und dass das Lösen von Gleichungssystemen viel mit Kreativität und handwerklichem Geschick zu tun hat. Die von ihm entwickelten Verfahren werden mittlerweile von den drei Marktführern für Optimierungssoftware angewandt und kommen dadurch jeden Tag weltweit tausendfach zum Einsatz.

    Timo Berthold wird mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2015 im Fach Mathematik ausgezeichnet, weil er – so die Jury – den Laien als Leser im Blick behält. Von Grund auf erklärt er Probleme und Lösungsverfahren und zeigt brauchbare Lösungen auf. Die Begeisterung des Mathematikers für die Schönheit seines Faches hat sich dabei auf die Jury übertragen.

  • Dr. Robert Fledrich

    Dr. rer. nat. Robert Fledrich (geb. 1983) studierte Biologie an der Georg-August-Universität Göttingen mit den Schwerpunkten Neurobiologie und Biochemie. Seine Diplomarbeit wie auch seine mit summa cum laude ausgezeichnete Doktorarbeit fertigte Robert Fledrich am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in der Abteilung Neurogenetik in Göttingen an. Für seine Dissertation mit dem Titel „Der Einfluss von Neuregulin-1 auf Erkrankungen des peripheren Nervensystems“ erhielt er den Buchpreis der Universität Göttingen. Auch nach der Promotion blieb Robert Fledrich dem Max-Planck-Institut in Göttingen verbunden und setzt seither als Postdoc seine Forschungsarbeit an Erkrankungen des Nervensystems fort.

    Jeder kennt das unangenehme Taubheitsgefühl, wenn Arme oder Beine eingeschlafen sind. In seinem Beitrag „Wenn dem Nervenkabel die Isolierung fehlt“ beschäftigt sich Robert Fledrich mit chronischen Nervenkrankheiten, auch Neuropathien genannt. Menschen, die von diesen Nervenkrankheiten betroffen sind, leiden dauerhaft an dem Gefühl eingeschlafener Gliedmaßen. Bei ihnen sind die Nervenfasern, die wie Kabel elektrische Signale weiterleiten, um so zum Beispiel Muskeln anzusteuern, nicht mehr richtig isoliert. Robert Fledrich hat die erkrankten Nerven untersucht und herausgefunden, dass ein Protein mit dem Namen Neuregulin eine bedeutende Rolle bei der Reparatur erkrankter Nerven spielt. Damit besteht Hoffnung, eine Therapie zur Behandlung bisher unheilbarer Neuropathien zu finden.

    Robert Fledrich wird mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2015 in der Kategorie Neurowissenschaften ausgezeichnet. Er holt, so die Jury, die Leser bei ihrer Alltagserfahrung ab. Schritt für Schritt und mit eingängigen Vergleichen erklärt er in seinem Beitrag die neurologischen Grundlagen der Erkrankung und vermittelt, welches therapeutische Potential das Protein Neuregulin besitzt.

  • Dr. Jenny Feige

    Jenny Feige (geb. 1981) hat ihr Studium an der Universität Wien absolviert. Schon ihre Magisterarbeit im Fachgebiet Astronomie beschäftigte sich mit der Herkunft von Supernova-Spuren in einer Tiefsee-Mangankruste, betreut wurde die Arbeit mit dem Titel „Supernova-Produced Radionuclides in Deep-Sea Sediments Measured with AMS“ von Prof. Dr. Dieter Breitschwerdt. Dafür erhielt sie 2011 den Diplomarbeitspreis der Österreichischen Gesellschaft für Astronomie und Astrophysik. Für ihr Promotionsstudium, betreut von Dr. Anton Wallner und Prof. Dr. Robin Golser, wechselte sie an die Fakultät für Physik zur Arbeitsgruppe Isotopenforschung und Kernphysik. Ihre Dissertation wurde mit dem Promotionspreis 2015 der Fachgruppe Nuklearchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. gewürdigt. Seit Februar 2015 forscht und lehrt Jenny Feige am Zentrum für Astronomie und Astrophysik (ZAA) der TU Berlin.

    Jenny Feige hat in ihrem Beitrag „Astronomie unter dem Meer“ neue Erkenntnisse in einem Bereich vermittelt, der vielen Lesern vermutlich unbekannt ist: der Tiefseeastronomie. Sedimente in einigen tausend Metern unter dem Meeresspiegel haben eine Art Langzeitgedächtnis und können Ereignisse über Millionen Jahre hinweg speichern. Diese Eigenschaft machte sich Jenny Feige zunutze und suchte in Sedimenten aus dem Indischen Ozean nach außerirdischen Spuren. Dabei konnte sie in zwei bis drei Millionen Jahre alten Sedimentschichten ein Eisen-Isotop nachweisen, das Experten dort kaum vermutet hätten, nämlich Eisen mit der Masse 60. Es entsteht in massereichen sterbenden Sternen und wird in deren gewaltigen Explosionen als Supernova ins Weltall geschleudert. Ereignet sich solch ein kosmisches Ereignis in der Nähe unseres Sonnensystems, dann fegt der Überrest des Sterns über uns hinweg. Eisenhaltiger Sternenstaub wurde so auf die Erde gebracht und ist nach einer langen Reise in die Tiefseesedimente gelangt.

    Für Ihren Artikel „Astronomie unter dem Meer“ erkennt die Jury Jenny Feige den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft in Physik zu. In ihrem Artikel, so heißt es in der Begründung, verwebt die Autorin Raum und Zeit auf überraschende, aber stets nachvollziehbare Weise. Sie verknüpft die Tiefe der See sowohl mit astronomischen Skalen als auch mit der Menschheitsgeschichte. Damit lädt sie jeden Leser ein, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen.

  • Dr.-Ing. Sascha Heitkam

    Dr.-Ing. Sascha Heitkam (geb. 1984) studierte von 2005 bis 2009 Physik und Maschinenbau an der TU Dresden. Für seine herausragenden Studienleistungen wurde er 2010 mit der Enno-Heidebroek-Urkunde sowie dem Festo-Bildungsfonds-Preis ausgezeichnet. Seine Dissertation zum Thema “Manipulation of liquid metal foam: A numerical study” fertigte er am Institut für Strömungsmechanik an der TU Dresden sowie am Laboratoire de Physique des Solides an der Université Paris Sud XI an. Die Arbeit wurde in Kooperation von Prof. Dr.-Ing. Jochen Fröhlich sowie von Prof. Dr. Dominique Langevin betreut und 2014 mit „summa cum laude” bewertet. Seit 2015 bearbeitet Sascha Heitkam am Institut für Strömungsmechanik ein eigenes DFG-Projekt zum Strömungsverhalten von wässrigen Schäumen.

    Wie viele Orangen lassen sich auf einem Tisch stapeln? In seinem Beitrag „Ein Bauplan für Hochstapler” beschäftigt sich Sascha Heitkam mit den dynamischen Eigenschaften von Kugelpackungen, wie sie beispielsweise als Früchtestapel bei Obsthändlern zu finden sind. Bei Experimenten mit gleichförmigen Kugeln, wie Fetttröpfchen, Luftblasen oder Metallkugeln, beobachten Forscher, dass sich diese Objekte automatisch zu regelmäßigen Strukturen zusammenfinden. Sascha Heitkam untersuchte mithilfe von Computerberechnungen am Beispiel von Schäumen den Entstehungsprozess dieser Strukturen. Er konnte zeigen, dass dabei nicht nur die Energieersparnis der fertigen Packung ausschlaggebend ist. Auch die mechanische Stabilität der Packung beeinflusst das Resultat. Denn während der Entstehung kann eine instabile Struktur durch Stöße wieder zerfließen. Stabile Strukturen jedoch überstehen häufiger Erschütterungen und können wachsen.

    Aus einem einzigen Prinzip ergibt sich eine ganze Palette von Anwendungen – dies beeindruckte die Jury. Weil Sascha Heitkam in seinem Beitrag Experimente und Simulationen zur Stabilität von Kugelpackungen überzeugend und transparent dargestellt hat, erhält er den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2015 in der Kategorie Physik. Sascha Heitkam hat seine Überlegungen dramaturgisch gut dargestellt und plastisch vermittelt, heißt es in der Begründung.

Preisträger 2014

  • Dr. rer. nat. Karen Linnemannstöns

    (geb. 1984) studierte an der Georg-August-Universität Göttingen und an der International Max Planck Research School Göttingen. Ihre Masterarbeit schrieb sie am Center for Molecular Medicine am Karolinska Institutet in Stockholm, Schweden. Ihre Promotion mit dem Titel "The transmembrane receptors Otk and Otk2 function redundantly in Drosophila Wnt signal transduction" erarbeitete sie an der International Max Planck Research School an der Georg-August-Universität Göttingen am Institut für Anatomie und Zellbiologie. Karen Linnemannstöns arbeitet seither als Postdoc in der Abteilung Stammzellbiologie an der Universität Göttingen.

    Siegerbeitrag
    Jeder kennt es: Man öffnet im Sommer einen Biomüll-Behälter und  ein Schwarm Fruchtfliegen kommt einem entgegen, der sich dort unter idealen Bedingungen aus wenigen Exemplaren entwickelt hat. In ihrem Beitrag „Wenn das Fliegenbaby auf sich warten lässt“ beschäftigt sich Karen Linnemannstöns mit der Fruchtbarkeit der Fruchtfliege. Ursprünglich interessierte sie sich für die Funktionsweise eines Gens mit dem Namen „off-track“, das auch bei Krebserkrankungen eine Rolle spielt. Jedoch entdeckte Karen Linnemannstöns, dass dieses Gen entscheidend ist für die Zeugungsfähigkeit der männlichen Fruchtfliege. Sie fand heraus, dass die männlichen Fruchtfliegen, denen dieses Gen fehlt,  zwar Spermien bilden, diese aber nicht zum Einsatz kommen, da die Samenleiter verkürzt und verengt sind. Ihre Untersuchung könnte auch für Menschen von Bedeutung sein, da 60 Prozent der Gene der Fruchtfliege ein Gegenstück im menschlichen Erbgut haben. Karen Linnemannstöns beschäftigt sich mit einem hochinteressanten Thema und hat ihren Siegerbeitrag unterhaltsam und nachvollziehbar strukturiert. Sie wird mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2014 im Fach Biologie ausgezeichnet.

  • Dr. rer. nat. Jan Ungelenk

    (geb. 1985) studierte Nanostrukturwissenschaft – Nanostructure and Molecular Sciences - an der Universität Kassel. Seine Diplomarbeit schrieb er am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg in Stuttgart. Seine mit summa cum laude ausgezeichnete Doktorarbeit hat den Titel Zinnwolframat – ein solar aktivierbarer Fotokatalysator und Übergangsmetallwolframate als nanoskalige Funktionsmaterialien und wurde betreut von Prof. Dr. Claus Feldmann am Karlsruher Institut für Technologie. Für seine Dissertation erhielt er den Umweltpreis der Sparkasse Karlsruhe Ettlingen 2013. Seit März 2014 ist Jan Ungelenk Laborleiter (Oxidationskatalyse) bei der BASF SE in Ludwigshafen.

    Siegerbeitrag
    Jan Ungelenk hat sich in seinem Beitrag „Chemie mit der Kraft der Sonne“ die Natur zum Vorbild genommen. Er beschreibt die Suche nach einem neuen Material, mit dem Sonnenlicht für chemische Reaktionen viel effizienter genutzt werden kann als es herkömmlich noch der Fall ist. Solch ein Fotokatalysator, der sichtbares Licht nutzen kann, ist beispielsweise für medizinische Anwendungen interessant. Aufgrund der Theorie erschien Zinnwolframat  mit seinen Eigenschaften hierfür ein geeigneter Kandidat zu sein. Mit Hilfe eines Tricks ist es Jan Ungelenk erstmals gelungen, die gelbe Variante von Zinnwolframat, die fotokatalytische Eigenschaften besitzt, bei niedriger Temperatur in unerreicht hoher Qualität herzustellen. Dieses gelbe Zinnwolframat ist unter simuliertem Sonnenlicht bis zu 16fach aktiver als Titandioxid, der heute noch am meisten verwendete Fotokatalysator. In mehreren Experimenten wurde demonstriert, dass gelbes Zinnwolframat menschliche Leberkrebszellen unter Belichtung mit blauem Licht zerstört. Jan Ungelenk erhält den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2014 im Fach Chemie. Zum einen gelingt es ihm dem Leser seine Forschung verständlich darzustellen, indem er Fachbegriff anschaulich erklärt und zum anderen hält er den Spannungsbogen von Anfang bis Ende.

  • Dr. sc. Sebastian Trimpe

    (geb. 1981) studierte von 2002 bis 2007 an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (Bachelor und Diplom). Für herausragende Leistungen im ingenieurswissenschaftlichen Studium wurde er 2005 mit dem ThyssenKrupp General Engineering Award für sein Bachelorstudium ausgezeichnet. Er besuchte für ein Forschungssemester die University of California, Berkeley. Seine Promotion mit dem Titel Distributed and event-based state estimation and control erarbeitete er an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Betreut wurde er von Prof. Dr. Raffaello D’Andrea. Seit 2013 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Autonome Motorik am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen.

    Siegerbeitrag
    Wie müssen Systeme miteinander kommunizieren, damit relevante Daten rechtzeitig übertragen werden? Dieser Frage geht Sebastian Trimpe in seinem Siegerbeitrag „Wenn es was zu sagen gibt“ nach. Sebastian Trimpe hat Methoden entwickelt, bei denen der Inhalt der Daten entscheidet, ob sie übermittelt werden oder nicht. Jede Einheit sendet nur dann Informationen, wenn diese Informationen für die anderen Einheiten neu und vor allem relevant sind. Im Gegensatz zu herkömmlichen Regelkreisen, die zeitbasiert kommunizieren, wird mit diesen Methoden ereignisbasiert kommuniziert. Das heißt, dass bei dieser Art der Kommunikation Daten anstatt zu festen Zeiten, nur zu bestimmten Ergebnissen übertragen werden. Sebastian Trimpe wird mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2014 im Fach Informatik ausgezeichnet, weil er mit seinem Beitrag die Neugier der Leser weckt und seine Untersuchungen anhand eines Beispiels nachvollziehbar beschreibt. Hierbei verwendet er in seinem Artikel einen szenischen Einstieg und nimmt den Leser sofort mit.

  • Dr. rer. nat. Jannik Matuschke

    ((geb. 1984) studierte von 2004 bis 2007 Mathematik an der Universität Dortmund und wechselte nach dem Vordiplom an die Technische Universität Berlin, wo er nach Abschluss des Studiums auch promovierte. Seine mit summa cum laude ausgezeichnete Dissertation hat den Titel Network flows and network design in theory and pratice und wurde betreut von Prof. Dr. Martin Skutella vom Institut für Mathematik an der TU Berlin. Von September 2013 bis März 2014 war er für einen Forschungsaufenthalt an der Universidad de Chile in Santiago. In Kürze beginnt er einen einjährigen Postdoc an der Universität “Tor Vergata” in Rom.

    Siegerbeitrag
    Wie können Transportvorgänge optimiert werden, damit ein Unternehmen Kosten sparen kann? Mit dieser Frage beschäftigt sich Jannik Matuschke in seinem Beitrag „Mathematischer Modellbau“. Er hat die Abläufe beim Transport mit Hilfe eines mathematischen Modells beschrieben und für die praktische Umsetzung einen Algorithmus entwickelt, der einen optimierten Transportplan berechnet. Herkömmliche Modelle berechnen Transportwege und Lieferfrequenzen beim Transport getrennt voneinander, Jannik Matuschke hat beides in einem Modell zusammengefasst. In einem ersten Test konnte eine Kostensenkung von 14 Prozent – im Vergleich zu mit herkömmlichen Modellen erstellten Transportplänen – erreicht werden. In seinem Beitrag beschreibt Jannik Matuschke anschaulich und nachvollziehbar, welche Punkte bei seiner Forschung beachtet werden müssen. In seinem Beitrag zeigt er den praktischen Bezug der Mathematik zum Alltag auf und stellt dabei sehr gut die Fortschritte seiner Arbeit gegenüber dem derzeitigen Kenntnisstand der Forschung dar. Jannik Matuschke erhält den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2014 im Fach Mathematik.

  • Dr. phil. Katja Franke

    (geb. 1978) studierte 1996 bis 2004 Psychologie an der Martin-Luther-Universität Halle (Diplom). Außerdem absolvierte sie 1999 bis 2001 an der Ludwig-Maximilians-Universität München ein Internationales Master Programm „Psychology of Excellence“ (MA). Für Forschungsaufhalte war sie beispielweise am Beth Israel Deaconess Medical Center und der Harvard Medical School in Boston. Ihre Dissertation mit dem Titel BrainAGE – a novel machine learning approach for identifying abnormal age-related brain changes schloss sie im März 2013 mit summa cum laude an der Universität Zürich ab. Seither ist Katja Franke als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Universitätsklinikum Jena in der Structural Brain Mapping Group tätig.

    Siegerbeitrag
    Kennen Sie Ihr Gehirnalter? Katja Franke beschäftigt sich in ihrem Beitrag „BrainAGE - Wie alt sieht mein Gehirn aus?“ mit der Bestimmung des Gehirnalters. Ein erhöhtes Hirnalter kann auf ein größeres Risiko an Alzheimer-Demenz zu erkranken hinweisen. Man hofft, medikamentöse Therapien, die in der Entwicklung sind, zukünftig rechtzeitig und gezielt einsetzen zu können. Das menschliche Gehirn besteht u.a. aus der grauen und der weißen Substanz, die bei normaler Alterung kontinuierlich abnehmen. Dadurch ergeben sich bei gesunden Menschen alterstypische Muster in der Gehirnstruktur. Katja Franke hat eine Methode entwickelt, die das Gehirnalter anhand dieser „Merkmalsmuster“ bestimmt. Dazu verwendet sie Aufnahmen aus der Kernspintomographie. Mit ihrer BrainAGE-Methode konnte beispielsweise entdeckt werden, dass bei Patienten mit Alzheimer-Demenz das Gehirn innerhalb eines Jahres doppelt so schnell altert wie das Gehirn von gesunden Gleichaltrigen. In ihrem Beitrag beschäftigt sich Katja Franke mit einem für die Allgemeinheit hochinteressanten Thema. Ihr gelingt es, ihre Forschung verständlich zu erklären, ohne wissenschaftliche Fachausdrücke zu verwenden. Katja Franke wird mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2014 im Fach Neurowissenschaften aufgezeichnet.

  • Dr. rer. nat. Benjamin Thaidigsmann

    (geb. 1984) studierte von 2003 bis 2009 Physik (Diplom) an der Eberhard Karls Universität in Tübingen. Seine Promotion mit dem Titel Entwicklung und Charakterisierung hocheffizienter MWT-PERC-Solarzellen aus p dotiertem, kristallinem Silicium erarbeitete er am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) in Freiburg. Betreut wurde er von Prof. Dr. Heinz Clement von der Universität Tübingen und Prof. Dr. Gerhard Willeke von der Universität Konstanz. Seit dem Abschluss seiner Promotion leitet Benjamin Thaidigsmann das Team Industrielle Zellstrukturen am Fraunhofer ISE.

    Siegerbeitrag
    In seinem Siegerbeitrag „Solarzellen mit Rückspiegel“ beschäftigt sich Benjamin Thaidigsmann mit erneuerbaren Energiequellen. Die Photovoltaik, die Umwandlung von Licht zu Strom, gehört zu den wichtigsten alternativen Stromquellen. Allerdings nutzen herkömmliche Solarzellen das Sonnenlicht nicht ideal. Im Rahmen seiner Doktorarbeit hat Benjamin Thaidigsmann eine neuartige Solarzellenstruktur entwickelt, die besonders viel Sonnenlicht aufnehmen und umwandeln kann. Dafür hat er Eigenschaften zweier bereits existierender Solarzellen miteinander verbunden und daraus eine neue effektivere Solarzelle hergestellt. Eine weitere besondere Eigenschaft der neuen Solarzelle ist, dass sie im Gegensatz zu herkömmlichen Solarzellen die Stromerzeugung des Photovoltaikmoduls auch dann ermöglicht, wenn sie teilweise durch Laub oder einen Kamin abgeschattet ist. Benjamin Thaidigsmann erhält den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2014 im Fach Physik, weil er in seinem Beitrag sowohl auf Probleme und Schwierigkeiten seiner Forschung eingeht, als auch konkrete Lösungsvorschläge aufzeigt. Der Leser wird dabei mitgenommen und bekommt einen Einblick in die Forschung und einen klaren Eindruck von der Relevanz des Themas.

Preisträger 2013

  • Dr. phil. nat. Peter Biedermann

    (geb.  1981) studierte von 2000 bis 2005 Biologie (Bachelor) an der Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich. Währenddessen forschte er jeweils mehrere Monate in den USA, Panama und der Mongolei. Sein anschließendes Masterstudium der Ökologie und Evolution an der Universität Bern, Schweiz, schloss er mit Auszeichnung ab. Nach einem Gastaufenthalt am USDA Forest Service in Pineville, USA begann er 2009, wieder in Bern, mit seiner Dissertation zum Thema Evolution of cooperation in ambrosia beetles. Im Rahmen seiner Dissertation war er drei Monate Gastforscher an der University of Wisconsin/Madison, USA. Promoviert wurde er 2012 mit der Auszeichnung summa cum laude an der Universität Bern. Seit 2012 forscht er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Insektensymbiosen am Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena.

    Siegerbeitrag
    Warum leben Insekten in sozialen Verbänden und verzichten dabei noch darauf, eigene Nachkommen zu produzieren? Seit Charles Darwin erkannte, dass jedes Lebewesen instinktiv egoistisch ist, beschäftigt diese Frage Generationen von Evolutionsbiologen. Peter Biedermann erforschte im Rahmen seiner Promotion die einzigartige soziale Lebensweise und aufwändige Ernährung der Ambrosiakäfer. Diese Käfer züchten Pilze zu ihrer Ernährung. Peter Biedermann fand nicht nur heraus, dass der Kleine Holzbohrer die einzige pilzzüchtende Insektenart ist, bei der auch die Larven eine Rolle bei der Pilzzucht übernehmen. Vor allem konnte er durch seine Züchtungsexperimente zeigen, was Forscher bisher nur vermuteten: Dass es sich für Weibchen mehr lohnt, im Nest zu bleiben und die Schwestern groß zu ziehen, als auszufliegen und ein eigenes Nest zu gründen. Peter Biedermann gelingt es in seinem Artikel „Kinderarbeit bei Gottes Käfern“ die Ergebnisse seiner Promotion in die komplexe Thematik Kooperation einzubetten – und die Ausgangsfrage verständlich zu beantworten. Er bleibt nahe am Leser und überzeugt stilistisch mit anschaulichen Vergleichen und Formulierungen. Für seinen Beitrag erhält er den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2013 im Fach Biologie.

  • Dr. rer. nat. Barbara Krausz

    (geb. 1983) studierte von 2002 bis 2008 Informatik (Bachelor und Master) an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Ihre Promotion mit dem Titel Detection and Simulation of Dangerous Human Crowd Behavior erarbeitete sie am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (Fraunhofer IAIS) in St. Augustin. Betreut wurde sie dabei von Prof. Dr. Christian Bauckhage von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Nach dem Abschluss ihrer in 2012 mit magna cum laude bewerteten Doktorarbeit arbeitete sie bis Juni 2013 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer IAIS in der Arbeitsgruppe Multimedia Pattern Recognition. Zur Zeit bereitet sie mit vier Kollegen die Gründung eines eigenen Unternehmens vor, das mobile Anwendungen für Bildanalyse-Verfahren entwickelt.

    Siegerbeitrag
    In ihrem Siegerbeitrag „Wann ist es zu voll?“ geht Dr. Barbara Krausz der Frage nach, wie ein Frühwarnsystem helfen könnte, Unglücke zu vermeiden, die durch überfüllte Veranstaltungen ausgelöst werden können. Ein Beispiel hierfür ist die Massenpanik bei der Loveparade 2010. Um ein solches Verfahren zu entwickeln, fragte sie sich, ob es Bewegungsmuster in einer Menschenmenge gibt, die auf gefährliche Situationen hindeuten und wie man diese Muster nutzen könnte, um kritische Situationen frühzeitig zu erkennen. Dabei kam sie zu dem Ergebnis, dass es zu einem Stau in einer Menschenmenge kommt, wenn sich eine hohe Anzahl an Personen pro Fläche mit einer niedrigen Gehgeschwindigkeit versammelt. Bei niedriger Gehgeschwindigkeit kommt es zu seitlichen Schwingungen der Personen. In ihrem Siegerbeitrag erklärt Barbara Krausz  anschaulich, wie die von ihr entwickelten Algorithmen diese seitlichen Schwingungen in Menschenmengen detektieren.  Auf diese Weise könnte man Bilder, die von Sicherheitskameras übermittelt werden, auswerten und frühzeitig Alarm schlagen. Barbara Krausz wird mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft im Fach Informatik ausgezeichnet, weil es ihr zum einen hervorragend gelingt, ihre Forschung verständlich zu erklären. Zum anderen vermittelt die Wissenschaftlerin, warum es wichtig ist, sich mit diesem Thema intensiv zu beschäftigen.

  • Dr. rer. nat. Martin Strehler

    (geb. 1982) studierte von 2001 bis 2006 Mathematik an der Technischen Universität Chemnitz und wurde von der Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert. Sein Diplom schloss er mit Prädikat ab und für seine Diplomarbeit über die Optimierung von Fahrkurven von Schiffen in der Binnenschifffahrt wurde er vom Förderverein der Mathematik zu Chemnitz e.V. ausgezeichnet. Von 2006 bis 2007 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart tätig, bevor er 2008 seine Promotion an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus begann. Er promovierte dort in der Arbeitsgruppe Diskrete Mathematik und Grundlagen der Informatik bei Prof. Dr. Ekkehard Köhler über das Thema Signalized Flows – Optimizing Traffic Signals and Guideposts and related Network Flow Problems. Seine Dissertation schloss er im Februar 2012 mit summa cum laude ab und erhielt dafür den Universitätspreis für die beste Dissertation der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus des Jahres 2012. Seither ist Martin Strehler weiterhin in Forschung und Lehre an der BTU Cottbus tätig.

    Siegerbeitrag
    In seinem Beitrag „Ganz schnell raus“ zeigt Dr. Martin Strehler, dass auch in unscheinbaren Dingen spannende Mathematik stecken kann. Zum Beispiel in den kleinen grünen Notausgangsschildern in Gebäuden – wenn ihre Platzierung optimal berechnet  wurde, können sie bei einem Brand Leben retten. Die Mathematik hilft nämlich dabei, Fluchtwege im Gebäudebau zu berücksichtigen, so dass es im Ernstfall nicht zum Gedränge - beispielsweise vor einer schmalen Tür - kommt. In seiner Promotion widmete sich Martin Strehler der Fragestellung, wie Wege gewählt und in welche Richtung Wegweiser zeigen müssen, um die größtmöglichste Anzahl an Personen zu bewegen und in Sicherheit zu bringen. Dass bestehende Modelle und Algorithmen nicht einfach angewandt werden können, erklärt er in verständlichen Worten und erläutert seine Ansätze zur Optimierung. Martin Strehler bringt  in seinem Artikel ein hochkomplexes mathematisches Problem dem Leser nahe – und wird dafür mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2013 im Fach Mathematik ausgezeichnet.

  • Dr. rer. nat. Philipp Berens

    (geb. 1981) studierte Bioinformatik (Diplom) und Philosophie (Bachelor) an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Seine Diplomarbeit absolvierte er mit Auszeichnung am Max-Planck Institut für biologische Kybernetik in Tübingen und am Baylor College of Medicine in Houston. Gefördert durch Doktorandenstipendien der Max-Planck-Gesellschaft und der Studienstiftung des Deutschen Volkes promovierte er von 2008 bis 2013 im Rahmen der Graduiertenschule für Neuro- und Verhaltenswissenschaften Tübingen. Seine mit summa cum laude ausgezeichnete Doktorarbeit hat den Titel Population coding of orientation in primary visual cortex – theory and experiment und wurde betreut von Prof. Dr. Matthias Bethge, Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik, Tübingen, und von Prof. Dr. Andreas Tolias, Baylor College of Medicine, Houston, USA, wo Berens den experimentellen Teil seiner Arbeit durchführte. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit im Masterstudiengang „Zelluläre und Molekulare Neurowissenschaft“ an der Universität Tübingen wurde Philipp Berens zweimal mit dem Lehrpreis ausgezeichnet. Seit Mitte 2012 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bernsteinzentrum für Computational Neuroscience, Tübingen, beschäftigt und besucht als Gastwissenschaftler weiterhin das Baylor College of Medicine, Dept. of Neuroscience, Houston, USA. Seit August 2013 ist Berens für ein Jahr in Elternzeit für sein drittes Kind.

    Siegerbeitrag
    Unsere Wahrnehmung basiert auf der Aktivität tausender Nervenzellen im Gehirn. Bisher sind zwar die Funktionen einzelner Gehirnregionen und die Verbindung einzelner Nervenzellen bekannt, jedoch weiß man noch nicht, wie genau Informationen in großen Nervennetzen verarbeitet werden. Philipp Berens verdeutlicht diese Problematik, indem er das Gehirn mit einem Computer vergleicht: man kann zwar durch Austesten die Funktion einer Computermaus herausfinden, jedoch kann man den Computer nicht vollends verstehen, wenn man die Programmiersprache nicht kennt. Anhand dieses anschaulichen Bildes leitet Berens seine Leser durch seine Forschungsarbeit. Um die „Programmiersprache des Gehirns“ zu entschlüsseln, verband er experimentelle Techniken mit modernen mathematischen Verfahren. In seinen Experimenten zeichnete er die Aktivitätsmuster von Nervenzellen auf, die die Reaktion auf bestimmte Lichtreize verarbeiten und interpretierte diese Daten anschließend mit statistischen Methoden. Mit Rückblicken in die Hirnforschung der 50er Jahre und klaren Formulierungen gelingt es Berens die Komplexität seines Forschungsgegenstandes in einen fesselnden Beitrag zu verwandeln. Das Urteil der Jury war eindeutig: Philipp Berens erhält den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2013 im Fach Neurowissenschaften für seinen herausragenden Beitrag.

  • Dr.-Ing. Christiane Heinicke

    (geb. 1985) studierte von 2005 bis 2008 Technische Physik an der TU Ilmenau. Während dieser Zeit verbrachte sie vier Monate am Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, USA. Ihr Masterstudium der Geophysik absolvierte sie anschließend bis 2010 an der Uppsala Universitet, Schweden, und an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, Schweiz. Während ihres Studiums war sie Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Für ihre Promotion zum Thema Local Lorentz Force Velocimetry for liquid metal duct flows, die sie am Institut für Thermo- und Fluiddynamik der TU Ilmenau 2010 begann, forschte sie zwei Monate  am Geophysical Institute der University of Alaska, Fairbanks, USA. Ihrer Forschungsgruppe Thermo- und Magnetofluiddynamik an der TU Ilmenau ist sie nach Abschluss ihrer Dissertation 2013 bisher treu geblieben. Neben ihrer wissenschaftlichen Karriere widmet sie sich der Musik: nach vielen Jahren als Klavierspielerin begann sie zeitgleich mit ihrer Promotion das Cellospielen.

    Siegerbeitrag
    Geschmolzener Stahl ist äußerst aggressiv und deshalb schwer kontrollierbar. Wenn bei der Produktion etwas mit der Schmelze nicht stimmt, ist jeder Eingriff an den Maschinen kostspielig und ressourcenaufwändig. Um zu erkennen, ob  sich Bestandteile des Stahls entmischen, erstarren und verklumpen, müsste man die Fließgeschwindigkeit der heißen, aggressiven Masse bestimmen. Doch ein entsprechendes Messgerät gibt es noch nicht. Christiane Heinicke hat mit ihrer Dissertation dazu beigetragen, dass die angewandte Wissenschaft einem solchen Messinstrument näher kommt. Sie entwickelte einen Sensor, der mit Hilfe eines Mini-Magneten  Verklumpungen in der flüssigen Stahllegierung entdecken kann. Für den Einsatz in der Industrie muss der Sensor noch weiter entwickelt werden, aber der physikalische Grundstein ist gelegt. Mit ihrem Beitrag „Röntgenblick dank Mini-Magnet“ überzeugte Christiane Heinicke die Jury. Für die Anschaulichkeit und Leichtigkeit ihrer Formulierungen, mit denen sie den Leser durch die komplizierten physikalischen Verfahren der Magnetohydrodynamik leitet, erhält sie den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2013 im Fach Physik.

Preisträger 2012

  • Dr. rer. nat. Sebastian Kirschner

    (geb.1980) studierte von 1999 bis 2005 Biologie an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg und schrieb seine Diplomarbeit am Lehrstuhl für Verhaltensphysiologie und Soziobiologie. 2006 bis 2012 arbeitete er am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, unterstützt durch Stipendien der FAZIT-Stiftung sowie der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Betreut von Prof. Dr. Michael Tomasello (MPI Leipzig) sowie Prof. Dr. Peter Hammerstein von der Humboldt-Universität zu Berlin, schloss Sebastian Kirschner seine Promotion 2011 mit magna cum laude ab. Der Titel seiner Dissertation lautet The Social Origins of Music. Danach arbeitete er weiter als wissenschaftlicher Mitarbeiter am MPI für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Seit Juli 2012 wohnt Sebastian Kirschner in Weimar und nimmt Elternzeit.

    Siegerbeitrag
    Gemeinsames Musizieren kommt bei unseren nächsten Verwandten, den Primaten, nicht vor. Zwar trommeln sich beispielsweise Gorillas auf die Brust; sie würden aber nie auf die Idee kommen, dieses Trommeln mit dem eines Artgenossen zu synchronisieren. Schon Charles Darwin stellte fest, dass Musikgenuss dem Menschen keinen offensichtlichen Vorteil für das tägliche Überleben bringt. Aber warum musiziert dann der Mensch? In seinem Siegerbeitrag „Der Mensch macht die Musik“ nimmt Sebastian Kirschner den Leser mit auf die Suche nach einer Antwort. Ausgangspunkt ist hierbei die Erkenntnis, dass Musik ursprünglich ein zutiefst soziales Verhalten ist, bei dem aktives Teilnehmen im Vordergrund steht. Nur welchen Überlebensvorteil birgt das Musizieren in der Gruppe? Sebastian Kirschner konnte in Verhaltensstudien mit Kindern nachweisen, dass gemeinsames Musizieren spontane Kooperations- und Hilfsbereitschaft fördert und somit im Laufe der Menschheitsgeschichte für die Gruppendynamik und die soziale Interaktion von Vorteil gewesen sein könnte. Sein Siegerartikel besticht durch einen guten Einstieg und vermittelt eine klare Botschaft. Hierbei erläutert er seine Musikforschung aus dem Blickwinkel der Verhaltensbiologie frisch und elegant.

  • Dr. rer. nat. Martin Münzel

    (geb. 1982) studierte ab 2002 Chemie an der Philipps-Universität Marburg, wo er 2007 auch seine Diplomarbeit anfertigte. Durch die Unterstützung der Studienstiftung des Deutschen Volkes wurde ihm anschließend ein Forschungspraktikum an der University of California, Berkeley, USA ermöglicht. Ab 2008 promovierte Martin Münzel an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei Prof. Dr. Thomas Carell. Seine Dissertation mit dem Titel Synthese natürlicher DNA Modifikationen und deren Detektion in DNA – Identifikation und Totalsynthese eines neuartigen DNA Photoschadens schloss er im Jahr 2011 mit der Note summa cum laude ab. Neue Erkenntnisse im Laufe seiner Dissertation trugen dazu bei die Bedeutung der neuen DNA-Base zu entziffern und zwei weitere DNA Bausteine zu entdecken. 2011 wird er mit dem Dr. Klaus Römer Preis für Leistungen während der Doktorarbeit ausgezeichnet. Seit Oktober 2011 arbeitet Martin Münzel mit Förderung eines Marie Curie Stipendiums als Post-Doktorand an der Oxford University.

    Siegerbeitrag
    Die DNA ist der Bauplan allen Lebens. Im DNA-Strang sind alle Erbinformationen gespeichert. Bei Menschen enthält jede Körperzelle exakt die gleiche DNA mit allen Informationen für die Entwicklung und Funktion des gesamten Körpers, in den einzelnen Zellen ist jedoch nur ein Teil der Gene aktiv. In seinem Artikel „Nachwuchs für die DNA“ beschreibt Martin Münzel wie die Entdeckung neuer DNA-Basen zum besseren Verständnis der Funktion unserer Gene führt. In seinem Siegerartikel erklärt Martin Münzel seine Forschungen sehr verständlich und erläutert für den Leser gut nachvollziehbar die Funktion der neuen DNA-Basen. Dabei übersetzt er die Fachbegriffe sehr anschaulich, so dass der interessierte Leser seine Arbeit und auch Überraschungsmomente bei der Forschung gut nachvollziehen kann.

  • Dr. phil. Natalie Lewandowski

    (geb. 1983) studierte ab 2001 Angewandte Linguistik an der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań (Polen), wo sie 2004 ihren Bachelor und 2006 im gleichen Themenbereich auch ihren Master ablegte. Während ihrer anschließenden Promotion wurde sie mit einem Stipendium des Graduiertenkollegs „Sprachliche Repräsentationen und ihre Interpretation“ unterstützt. Ihre Promotion legte sie 2011 am Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung (IMS) der Universität Stuttgart mit Auszeichnung ab, betreut von Prof. Dr. Grzegorz Dogil. Ihre Dissertation trägt den Titel Talent in nonnative phonetic convergence. Aktuell arbeitet Natalie Lewandowski am IMS als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich 732.

    Siegerbeitrag
    In ihrem Artikel „So wie du sprichst, sprech auch ich“ geht Natalie Lewandowski der Frage nach, warum sich Menschen unbewusst in der Aussprache gegenseitig anpassen. Warum sächselt der Sachse weniger, wenn er mit einem Norddeutschen spricht? Oder wie kommt es, dass man bei der Arbeit weniger Dialekt spricht als zu Hause? Sie beschreibt anschaulich das Sprachexperiment, welches sie zur Untersuchung dieser Frage durchgeführt hat. Ihre Untersuchungen ergaben, dass man sich in der Aussprache immer dem Gesprächspartner anpasst, ob man will oder nicht. Der Grad der Anpassung ist allerdings individuell unterschiedlich. Natalie Lewandowski beschreibt in ihrem Siegerartikel ihre Untersuchungen kurz und prägnant, mit klarem Fokus auf ihre Arbeit. Nach dem Lesen weiß der Leser genau, um welche Theorien es ging und was das Neue an der Forschung war.

  • Dr. rer. nat. Andreas Potschka

    (geb. 1980) beendete sein Studium der Mathematik, mit dem Nebenfach Informatik, an der Ruprechts-Karls-Universität Heidelberg im Jahre 2006 mit Auszeichnung. Seine Forschungsarbeit verfasste er anschließend am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg. Unter der Leitung von Prof. Dr. Hans Georg Bock legte er im Dezember 2011 seine Promotion mit dem Titel A direct method for the numerical solution of optimization problems with time-periodic PDE constraints ab, welche mit summa cum laude bewertet wurde. 2009 wurde er mit dem Preis "Best talk from a didactical point of view" bei der 14th Belgian-French-German Conference on Optimization in Leuven ausgezeichnet. 2008 wurde er Mitglied der Heidelberg Graduate School of Mathematical and Computational Methods for the Sciences. Seit 2011 leitet er die Nachwuchsforschungsgruppe MOBOCON am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen der Universität Heidelberg.

    Siegerbeitrag
    Unsere Welt wird immer komplexer. Das gilt nicht nur für die ganz persönliche tägliche Entscheidungsfindung bei ständig wachsender Auswahl an Kaffeevariationen, sondern auch für immer aufwändigere Produktionsmethoden in der Verfahrenschemie. Viele kennen vermutlich das Phänomen, dass sich bei einem Latte Macchiato Milchschaum und Espresso langsam vermischen. Aber lassen sich die Milch und der Espresso eigentlich auch wieder trennen? Vor ähnlichen Fragen steht man häufig in der pharmazeutischen Industrie, wo Wirkstoffe von unwirksamen oder gesundheitsschädlichen Nebenprodukten getrennt werden müssen. In seinem Siegerartikel „Mathe Macchiato: Optimal trennen“ beschreibt Andreas Potschka anschaulich wie komplex die physikalische Trennungsprozesse oft ablaufen. Dabei erklärt er allgemein verständlich die komplizierten Abläufe und Fachbegriffe. Er zeigt, wie diese Prozesse durch Mathematik optimiert werden können und welche Anforderungen der mathematische Algorithmus erfüllen musste, den er hierfür in seiner Doktorarbeit entwickelt hat. In seinem Artikel kommt Andreas Potschka mit einem sprachlichen Bild aus und nimmt den Leser mit in die Geschichte und die wissenschaftliche Fragestellung.

  • Dr. rer. nat. Thomas König

    (geb. 1980) begann sein Physikstudium an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg im Jahre 2001 und legte nach Aufenthalten in Australien und den USA dort sechs Jahre später seine Diplomprüfung mit der Note „sehr gut“ ab. Von 2007 bis 2011 promovierte er am Deutschen Krebsforschungszentrum und der Universität Heidelberg bei Prof. Dr. Uwe Oelfke. Im Mai 2011 schloss er seine Promotion mit dem Titel Exploring Coherent Phenomena and Energy Discrimination in X-Ray Imaging mit "summa cum laude" ab. Von Juni 2011 bis September 2012 arbeitete Thomas König am Deutschen Krebsforschungszentrum als wissenschaftlicher Angestellter und Leiter des Projekts „Spektrale Computertomographie“. Seit September 2012 ist er am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) tätig, wo er eine Arbeitsgruppe rund um ein Computertomographie-Labor für biomedizinische und Materialforschung aufbaut.

    Siegerbeitrag
    Jeder, der schon einmal geröntgt wurde, oder eine der zahlreichen Medizin- oder Arztsendungen gesehen hat, weiß, dass Röntgenbilder schwarz-weiß sind. Aber warum ist das so? In der Fotografie gibt es ja schließlich auch Farbfotos. Dieselbe Frage stellte sich Thomas König zu Beginn seiner Promotion. In seinem Siegerartikel „Röntgen – aber bitte in Farbe“ beschreibt er, wie er in seiner Forschungsarbeit untersucht hat, welche Probleme farbige Röntgenbilder mit sich bringen und wie diese sich lösen lassen. Anschaulich geht er auf die physikalischen Zusammenhänge ein, die für eine farbliche Darstellung hochenergetischer Röntgenstrahlung wichtig sind. Außerdem erklärt er allgemein verständlich, dass es bei seiner Forschung nicht nur um bunte Bilder geht, sondern erläutert auch die Möglichkeiten, welche sich dahinter verbergen. So können damit beispielsweise verschiedene Materialien voneinander unterschieden werden. In seinem Artikel beschreibt Thomas König für den Leser verständlich und gut nachvollziehbar den Weg von der Fragestellung seiner Doktorarbeit, über die Probleme bis zum Ergebnis und gibt dabei Ausblicke für die Anwendung.

Preisträger 2011

  • Dr. rer. nat. Sophie Helene Richter

    (geb. 1982) studierte von 2001 bis 2007 Biologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Anschließend promovierte sie dort bei Prof. Dr. Norbert Sachser. In ihrer mit summa cum laude ausgezeichneten Dissertation mit dem Titel Standardization in Animal Experiments: Necessity or Fallacy? beschäftigte sie sich kritisch mit der Standardisierung bei Tierversuchen. Derzeit forscht sie am Zentralinstitut für seelische Gesundheit Mannheim (ZI) in der Arbeitsgruppe Psychiatrische Tiermodelle. Einer ihrer Schwerpunkte dort ist die Entwicklung von Verhaltenstests für die Analyse höherer kognitiver Funktionen bei Ratten.
    Herauszufinden, wie man Tierversuche verbessern, reduzieren oder ersetzen kann ist ihr dabei ein besonderes Anliegen.

    Siegerbeitrag
    In ihrem Artikel Illusion der perfekten Kontrolle nimmt Sophie Helene Richter den Leser mit ins Tierlabor. Dort geht sie der Frage auf den Grund, warum sich die wissenschaftlichen Experimente so selten reproduzieren lassen. Gerade in der tierexperimentellen Forschung wirft dies erhebliche ethische Probleme auf, außerdem sind die Tests oft nicht auf den Menschen übertragbar. Als eine mögliche Ursache des Problems erforschte sie in ihrer Dissertation die strikte Vereinheitlichung der Versuchsbedingungen: Alter, Geschlecht, Genotyp, Haltungs- und Testbedingungen – alles ist identisch. Selbstbewusst plädiert sie daher für ein systematisch heterogenisiertes Verfahren. Hier werden nicht nur Mäuse aus einer Umweltbedingung getestet, sondern Tiere aus beispielsweise unterschiedlichen Haltungsbedingungen. Helene Richter konnte nachweisen, dass auf diesem Wege die Reproduzierbarkeit der Tests wesentlich verbessert werden kann und rüttelt damit am wissenschaftlichen Dogma der Standardisierung. In ihrem Siegerartikel legt Helene Richter die wissenschaftliche Fragestellung, ihre Herangehensweise und die Ergebnisse klar und deutlich dar. Der Leser erhält dadurch einen exzellenten Einblick in wichtige Forschungsfragen.

  • Dr. sc. nat. Frank Striebel

    (geb. 1979) studierte ab 2000 an der Technischen Universität München Biochemie. Seine Masterarbeit schrieb er teilweise am St. Jude Children’s Research Hospital in Memphis, USA. Ab 2005 promovierte er an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich am Institut für Molekularbiologie und Biophysik. Dabei wurde er mit einem Kekulé-Stipendium des Fonds der Chemischen Industrie unterstützt. Für seine Dissertation, die er bei Prof. Dr. Eilika Weber-Ban abschloss, erhielt er die Medaille der ETH. Der Titel seiner Arbeit lautet: The mycobacterial proteasome degradation pathway. Seit April 2011 forscht er als Post-Doktorand am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München am Department für Molekulare Zellbiologie.

    Siegerbeitrag
    Alleine im Jahr 2009 starben 1,7 Millionen Menschen an Tuberkulose. Die Therapie der bakteriellen Infektionskrankheit ist langwierig und häufig nicht erfolgreich. Frank Striebel ging in seiner Dissertation neuen Ansätzen zur Therapie nach, indem er den Erreger – so der Titel seines Beitrags - Bei der Abfallentsorgung erwischt. Das Resultat war faszinierend und überraschend: Sowohl die menschlichen Zellen als auch die Bakterien heften eine Markierung an ihren zellulären Abfall. Die Suche nach „Myst“, der mysteriösen „Abfallmarke“ beschreibt der Biochemiker spannend und kurzweilig. Der Artikel biete zwar anschauliche Beispiele, vereinfache aber das komplexe Thema zu keiner Zeit, so die Jury des Klaus Tschira Preises. Die durchgehende Analogie zur Müllentsorgung im Haushalt zieht sich wie ein roter Faden durch den Text und bietet dem Leser Orientierung, um die biochemischen Abläufe besser zu verstehen.

  • Dr. rer. nat. Stefan Valentin

    (geb. 1978) studierte von 1998 bis 2004 Kommunikationswissenschaft und Elektrotechnik an der Technischen Universität Berlin. Ab 2005 promovierte er an der Universität Paderborn am Institut für Informatik bei Prof. Holger Karl.  Während seiner Doktorarbeit lehrte er am International Centre for Theoretical Physics (ICTP) in Trieste, Italien, zum Thema drahtlose Kommunikation in Entwicklungsländern und forschte an der Carleton University, in Ottawa, Kanada an kooperativen Funknetzen. Seine Dissertation mit dem Titel Cooperative Relaying and its Application – From Analysis to Prototypes schloss er im Jahr 2010 mit Auszeichnung ab. Seit Januar 2010 arbeitet er als Research Engineer bei den Bell Labs der Alcatel-Lucent Deutschland AG in Stuttgart. Hier leitet er ein Forschungsprojekt, in dem er untersucht, wie Smartphones die Mobilfunknetze verändern und wie das Netz sie besser unterstützen kann.

    Siegerbeitrag
    Jeder kennt sie und jeder ärgert sich über sie: Funklöcher. Meist entstehen sie bei der schnellen Fahrt im Auto oder im Zug, wenn die Verbindung zwischen Handy und dem nächsten Funkmast unterbrochen wird. Stefan Valentin erforschte in seiner Dissertation die Lösung des Problems. Zu sogenannten kooperativen Netzwerken zusammengeschlossen,  „leihen“ sich Handys die Antennen von anderen Geräten, die sich gerade in der Nähe befinden. So empfangen sie mehr Signale — Funklöcher könnten damit schon bald verschwinden, denn seine Technik wird derzeit für Mobilfunksysteme standardisiert. Der Leser wird in seinem Beitrag Wer kooperiert funkt besser zum Beobachter einer Produktentwicklung: Klar strukturiert und chronologisch beschreibt der Informatiker sämtliche Entwicklungsschritte - von der rein technischen Umsetzung, über die Kostenoptimierung und schließlich den Feldversuch. Einprägsame Beispiele aus dem Alltag flicht er geschickt dort ein, wo die rein technische Beschreibung der Materie zu theoretisch geworden wäre.

  • Dr. rer. nat. Christian Kirches

    (geb. 1981) studierte von 2002 bis 2007 Mathematik mit den Schwerpunkten Numerik und Optimierung an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Seine Diplomarbeit erstellte er am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR). Dort forschte er von 2007 bis 2010 unter Anleitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Georg Bock und Prof. Dr. Gerhard Reinelt und wurde im November 2010 mit summa cum laude promoviert. Seine Dissertation trägt den Titel Fast Numerical Methods for Mixed-Integer Nonlinear Model-Predictive Control. Im Zuge seiner Arbeit wurden schnelle Regelungsalgorithmen zum Einsatz in der Automobilindustrie patentiert. Christian Kirches war Fellow der Heidelberger Graduiertenschule für mathematische und computergestützte Methoden für die Wissenschaften und wurde von 2008 bis 2010 von der Universität Heidelberg mit einem Promotionsstipendium gefördert. Seit dem Abschluss seiner Promotion ist er nach einem viermonatigen Forschungsaufenthalt am Argonne National Laboratory in Chicago weiterhin als Post-Doktorand am IWR in Heidelberg tätig.

    Siegerbeitrag
    Findet jedes Fahrzeug automatisch den besten Gang, lässt sich in Zukunft viel Zeit und Energie sparen. Damit das technisch möglich ist, galt es für Christian Kirches eine Eins mit 24 Nullen zu bändigen. So viele Schaltkombinationen sind bei bis zu 16 verschiedenen Gängen in LKWs und alleine 20 Schaltentscheidungen möglich. Damit der Mathematiker dem Bordcomputer das Schalten beibringen konnte, bedurfte es vieler kleiner Schritte, um die große Zahl „kleinzurechnen“. Die Lösung brachte ein Verfahren, bei dem der Mathematiker die Gänge nur teilweise einlegen und die optimalen Schaltvorgänge nur ansatzweise berechnen lässt. In seinem Artikel Schnell geschaltet!  erhält der Leser einen faszinierenden Einblick in die Welt der Mathematik. Durch den stetigen Alltagsbezug, die klare Sprache sowie einfache Vergleiche bleiben die Zahlen keine abstrakten Größen. Der Leser erfährt, wie mithilfe der Wissenschaft  Optimierungsprobleme gelöst werden können.

  • Dr. rer. nat. Britta Lorey

    (geb. 1981) beendete ihr Studium der Psychologie, mit den Nebenfächern Medizin und Sport, im Jahr 2007 an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Im gleichen Jahr begann sie ihre Promotion mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Sie promovierte bei Prof. Dr. Jörn Munzert mit dem Thema Motor Imagery – Modulating Variables. Für ihre mit summa cum laude ausgezeichnete Dissertation erhielt sie 2010 den Karl-Feige-Preis der Arbeitsgemeinschaft Sportpsychologie. Derzeit ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Sportpsychologie und Bewegungswissenschaften der Universität Gießen tätig. Berufsbegleitend absolviert sie die Weiterbildung zur psychologischen Psychotherapeutin.

    Siegerbeitrag
    Ganz bequem im Sessel sitzen, und dabei die Körperkraft steigern? Dass dies möglich sein könnte, fand Britta Lorey in ihrer Dissertation heraus. Mit eindrucksvollen Experimenten konnte sie belegen, wie sehr Vorstellungen von Bewegungen und tatsächliche Bewegungen zusammen hängen. So fand sie heraus, dass das Gehirn auch während der Vorstellung auf die Genauigkeit einer Bewegung Wert legt. In einem anderen Experiment fand sie heraus, dass schon die Körperposition den Vorstellungsprozess beeinflusst. So könnten Sportler das mentale Training wesentlich effizienter gestalten, wenn sie dazu die für ihre Sportart typische Position einnähmen. Als Psychologin wagte sie sich in die neurowissenschaftliche Forschung und berichtet in ihrem Artikel von der faszinierenden Einheit zwischen Körper und Geist. Ihr Beitrag Müssen wir uns noch bewegen? überzeugte die Jury des Klaus Tschira Preises durch den klaren Aufbau und einen ebenso klaren Schreibstil – ohne Vergleiche oder Sprachbilder berichtet die Autorin stringent und ohne Umwege von ihrer Forschung.

  • Dr. med. Dr. rer. nat. Alexander Meyer

    Dr. med. Dr. rer. nat. Alexander Meyer (geb. 1975) studierte ab 1994 in Osnabrück und anschließend in Göttingen Physik, wo er 1999 seine Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie anfertigte. Parallel studierte er ab 1998 Medizin, ebenfalls in Göttingen, und legte 2005 das dritte Staatsexamen mit Approbation zum Arzt ab. Im Jahr 2004 promovierte er dann mit Unterstützung des Boehringer Ingelheim Fonds zum Dr. rer. nat. in Biophysik und forschte 2005 am Baylor College of Medicine in Houston, Texas. 2011 legte er bei Prof. Dr. Tobias Moser die mit summa cum laude bewertete Dissertation zum Dr. med. mit dem Thema Struktur und Funktion der afferenten Synapse innerer Haarzellen der Chochlea vor. Die in Nature neuroscience publizierte Arbeit wurde mit Preisen der Universitätsmedizin Göttingen, der Deutschen Gesellschaft für Audiologie und der norddeutschen HNO-Gesellschaft ausgezeichnet. Derzeit arbeitet Alexander Meyer als Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde an der HNO-Klinik der Universitätsmedizin Göttingen und ist dort sowohl klinisch als auch wissenschaftlich tätig.

    Siegerbeitrag
    Alexander Meyer hilft Gehörlosen, damit sie wieder hören können. Als Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde betreut er Patienten mit einem sogenannten Cochlea-Implantat. Viele können damit ihren Alltag meistern und sogar telefonieren. Bestimmte Tonfolgen, wie etwa Musik, lassen sich damit jedoch (noch) nicht differenziert wahrnehmen. Um die Geräte weiter zu verbessern forschte er in seiner Dissertation über den Aufbau des menschlichen Ohres. Neue Erkenntnisse gelangen ihm damit zu den Haarzellen im Innenohr. Erkenntnisse, die in Zukunft dabei helfen können, die Implantate zu verbessern. In seinem Beitrag Ohren unter Strom führt er den Leser durch anschauliche Fallbeispiele auf die Fragestellung seiner Forschung hin. Die schwierige Aufgabe, den menschlichen Hörsinn in wenigen Sätzen zu erklären, meistert er durch klare Sätze und gute Bilder.

Preisträger 2010

  • Dr. rer. nat. Claudio Tennie

    (geb. 1976) studierte von 1996 bis 2003 Biologie mit dem Schwerpunkt Verhaltensforschung an der Philipps-Universität Marburg, der Universität Edinburgh und der Universität Bielefeld. Seine Diplomarbeit verfasste er unter Anleitung von Prof. Michael Tomasello unter Dr. Josep Call am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig, für die er auch bis 2009 als Doktorand und Forschungskoordinator für das Wolfgang-Köhler-Primatenforschungszentrum tätig war. Seine Dissertation mit dem Titel „Human culture versus great ape traditions: Mechanism of observational learning in human children and great apes“ schloss er 2009 bei Prof. Dr. Julia Fischer an der Georg-August Universität in Göttingen mit magna cum laude ab. Für seine Doktorarbeit forschte Tennie unter anderem in einer Waisenstation für Schimpansen in Uganda. Seit dem Abschluss der Promotion ist Claudio Tennie als Post-Doktorand am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie tätig.

    Siegerbeitrag
    Auf genetischer Ebene haben Mensch und Menschenaffe viele Gemeinsamkeiten. Zu etwa 99 Prozent stimmt das Erbgut des Schimpansen mit dem des Menschen überein. Und doch hat sich nur der Mensch über die ganze Welt verbreitet. Mit seinem Beitrag Kulturwesen Schimpanse? hinterleuchtet Claudio Tennie einen entscheidenden Unterschied zwischen Mensch und Menschenaffe und erklärt, warum Affen keine Wolkenkratzer bauen. Er räumt mit dem Mythos auf, dass die Kultur von Menschenaffen in ihren Mechanismen der Kultur des Menschen entspricht. Nicht nur die Ergebnisse der Forschung sind hochinteressant. Tennie hat es geschafft, seine neuen Erkenntnisse dem Leser nahe zu bringen. Sein Beitrag fasziniert von Anfang an durch anschauliche Vergleiche und einen spannenden Schreibstil.

  • Dr. rer. nat. Thomas Böttcher

    (geb. 1982) studierte von 2003 bis 2006 Chemie und Biochemie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seine Bachelorarbeit schrieb er an der Ruhr-Universität Bochum. Wegen seiner hervorragenden Leistungen wurde Thomas Böttcher zum fast track PhD program zugelassen und erhielt ein Promotionsstipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Er promovierte 2009 unter der Leitung von Prof. Stephan Sieber bei Prof. Thomas Carell an der Ludwig-Maximilians-Universität in München im Bereich organische Chemie mit summa cum laude. Der Titel seiner Arbeit lautet Naturstoffe und ihre Derivate als molekulare Sonden: Identifikation ihrer Angriffsziele und Inhibition der Virulenz in pathogenen Bakterien. 2008 gewann er den Innovationspreis der BioRegionen in Deutschland. 2007 und 2009 wurde er mit dem Römer-Preis der Fakultät für Chemie und Pharmazie der LMU ausgezeichnet. Nach Abschluss der Doktorarbeit arbeitete Thomas Böttcher als Post-Doktorand an der TU München. Seit Juni 2010 ist er Leiter des EXIST-Forschungstransfer-Projekts AVIRU, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

    Siegerbeitrag
    Mit der Entdeckung des Penicillins durch Alexander Fleming glaubte man die Gefahr bakterieller Krankheitserreger gebannt. Aber immer mehr Bakterien widersetzen sich der Behandlung durch bestehende Antibiotika. Kliniken müssen mit multiresistenten Erregern kämpfen. Thomas Böttcher illustriert in seinem Beitrag Schachmatt für Krankheitserreger diese Problematik und stellt seine Forschungsergebnisse als neue Perspektive vor: Statt die Krankheitserreger abzutöten, sollen lediglich ihre Angriffswaffen lahmgelegt werden. Böttcher behandelt das hochaktuelle Thema auf hohem Niveau. Mit einem leichten Einstieg lockt er den Leser in den Artikel und nimmt ihn dann mit auf den Weg durch das komplexe Forschungsgebiet. Trotz einiger schwieriger Passagen bleibt der Leser bis zum Schluss gefesselt und versteht die Zusammenhänge.

  • Dr. med. Dr. rer. nat. Christof Alexander Winter

    (geb. 1976) studierte von 1994 bis 1996 an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen Informatik. Im Oktober 1996 wechselte er zum Studium der Medizin, worin er 2007 mit magna cum laude promovierte.
    Anschließend promovierte er im Fach Bioinformatik an der Technischen Universität Dresden. In seiner Doktorarbeit, die er  bei Prof. Michael Schroeder 2009 mit summa cum laude abschloss, untersuchte er mit Hilfe des Computers Proteinwechselwirkungen bei Krankheiten. Die Arbeit trägt den Titel Protein interactions in disease: Using stuctural protein interactions and regulatory networks to predict disease-relevant mechanisms. Im Zuge seiner Forschung wurden Verfahren und Mittel zur Vorhersage der Überlebensdauer beim Pankreaskarzinom durch Analyse von Biomarkern patentiert.

    Siegerbeitrag
    Google hat es vorgemacht. Die Suchmaschine bewertet die Relevanz einer Webseite nach der Anzahl von Hyperlinks, die auf sie verweisen. Christof Winter beschreibt in seinem Beitrag Gen-Google für die Krebstherapie, wie das gleiche Prinzip genutzt werden kann, um bei Krebs die Relevanz von Genen für den Krankheitsverlauf zu bewerten. Bestimmt man die Aktivität dieser Gene im Tumor, gibt dies Auskunft über dessen Aggressivität und damit über die Überlebensaussichten des Patienten. Diese Informationen können dem Arzt bei der Wahl der besten Behandlungsform helfen. Da Krebstherapien mit schweren Nebenwirkungen einhergehen können, ist es wichtig herauszufinden, ob eine klassische Therapie bei einem Patienten vermutlich anschlagen oder eher versagen wird. Im letzteren Fall sollte vorab über alternative Behandlungen nachgedacht werden. Christof Winter führt auch den nicht fachkundigen Leser in diese komplexe Thematik ein und präsentiert seine Ergebnisse anschaulich, einprägsam und gut nachvollziehbar.

  • Dr. rer. nat. Benjamin Hiller

    (geb. 1980) begann 1999 sein Studium der Informatik mit Nebenfach Mathematik an der Technischen Universität Ilmenau, wo er es 2004 mit Auszeichnung abschloss. Seit September 2004 ist Benjamin Hiller wissenschaftlicher Mitarbeiter mit dem Schwerpunkt Logistik in der Arbeitsgruppe Optimierung am Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik in Berlin. Im Dezember 2009 promovierte er an der Technischen Universität Berlin bei Prof. Martin Grötschel mit dem Thema Online Optimization: Probabilistic Analysis and Algorithm Engineering mit summa cum laude. 2010 wurde er für seine Dissertation von der Gesellschaft für Operations Research (GOR) in München mit dem GOR Dissertationspreis 2010 ausgezeichnet.

    Siegerbeitrag
    Fortschrittliche Aufzüge lassen ihre Passagiere nicht unnötig lange warten. Hinter diesem Komfort stecken moderne mathematische Verfahren, die Aufzüge so steuern, dass Wartezeiten optimiert werden. Diese Art der Steuerung nutzt die Vorteile eines Zielrufsystems: Noch bevor die Passagiere einsteigen, geben sie ihre Zieletagen an. Aufgrund der bekannten Fahrgastwünsche wird dann ein Fahrplan berechnet, der kurze Warte- und Fahrzeiten für die wartenden Fahrgäste erzielt und auch für künftige Fahrgäste ermöglicht. Benjamin Hiller schildert in seinem Artikel Das Warten der Anderen die abstrakte Thematik der Aufzugssteuerung sehr verständlich - auch für den Nicht-Mathematiker. Durch sein ausbalanciertes Zusammenspiel aus Theorie und Praxis blickt der Laie hinter die Kulissen. Ein äußerst schwieriges Thema wird greifbar, und hinterher fühlt sich der Leser ein wenig klüger.

  • Dr. rer. nat. Adrian Wertz

    Dr. rer. nat. Adrian Wertz (geb. 1977) studierte bis 2005 Biologie an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. Seine Diplomarbeit erstellte er an der Biologischen Anstalt Helgoland des Alfred Wegener Instituts für Polar- und Meeresforschung. Im Anschluss begann er sein Promotionsstudium der Neurowissenschaften mit dem Schwerpunkt Neuronale Informationsverarbeitung im Graduiertenkolleg Orientation and Motion in Space der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seine Promotionsarbeit mit dem Titel Optic flow processing in premotor descending neurons of the fly schloss er mit summa cum laude bei Prof. Alexander Borst ab. 2010 zeichnete ihn die Max-Planck-Gesellschaft für herausragende wissenschaftliche Leistungen mit der Otto-Hahn-Medaille aus. Seit 2009 ist Adrian Wertz als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried tätig.

    Siegerbeitrag
    Fliegen sind wahre Artisten der Lüfte. Rasant und schnell meistern sie jedes Flugmanöver und verlieren nie den Überblick. In Bruchteilen von Sekunden wertet das stecknadelkopfgroße Gehirn der Fliege die visuellen Reize der Umwelt aus und sorgt dafür, dass sie trotz waghalsiger Flugkunststücke den Überblick behält. Mit einem IMAX eigens für Fliegen hat Adrian Wertz untersucht, wie sie das schafft. Sein Beitrag Wie Fliegen Kurven meistern ist eine hervorragende, anschauliche Beschreibung von Grundlagenforschung. Exzellent geschrieben und raffiniert aufgebaut lädt der Artikel den Leser förmlich zum Mitfliegen ein.

  • Dr.-Ing. Janina Zimmermann

    (geb. 1981) studierte von 2000 bis 2006 Physik an den Universitäten Stuttgart und Regensburg. Von 2006 bis 2009 promovierte sie bei Prof. Lucio Colombi Ciacchi am Fraunhofer Institut für Werkstoffmechanik in Freiburg. Ihre Doktorarbeit mit dem Titel Atomistic modeling of the oxidation of Titanium Nitride and Cobalt-Chromium alloy surfaces, für die sie ein halbes Jahr am Imperial College in London und an der University of California in Santa Barbara forschte,  schloss sie mit summa cum laude ab. 2007 erhielt Janina Zimmermann den Golden Spike Award des High Performance Computing Center HLRS der Universität Stuttgart und wurde im Rahmen ihrer Doktorarbeit durch das Doktorandinnenprogramm der Fraunhofer Gesellschaft gefördert. Seit 2009 ist Janina Zimmermann EU-Referentin am Fraunhofer Institut für Werkstoffmechanik und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Bremen.

    Siegerbeitrag
    Gerät ein Metall in Kontakt mit Luft, oxidiert es. Für die Natur eine Sache von Picosekunden. Will man diesen Vorgang nachstellen, braucht man 32 Computer, die Tag und Nacht für etwa vier Wochen gleichzeitig rechnen. Janina Zimmermanns Beitrag Atome auf dem Bazar bietet einen Einblick in das Geschehen atomarer Vorgänge und erklärt, was passiert, wenn Metalle im Inneren des Körpers Anwendung finden. Lebendig, fesselnd und mit großer sprachlicher Vielfalt wird dem Leser ein physikalisches Thema näher gebracht. Er erhält einen guten Einblick in atomare Vorgänge, die durch Zimmermanns Beitrag nicht abstrakt bleiben, sondern auch dem Laien begreifbar und anschaulich nahe gebracht werden.

Preisträger 2009

  • Dr. rer. nat. Nina Schaller

    (geb. 1974) studierte von 1994 bis 2001 Biologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Im Anschluss an ein Volontariat im Frankfurter Zoo begann sie 2003 ihre Doktorarbeit am Forschungsinstitut Senckenberg, Frankfurt, in Zusammenarbeit mit den Universitäten Antwerpen und Heidelberg, unter der Leitung von Dr. Bernd Herkner. 2003 bis 2006 unterstützte das Cusanuswerk sie mit einem Promotionsstipendium. Ihre Dissertation mit dem Titel „Structural attributes contributing to locomotor performance in the ostrich (Struthio camelus)“ schloss sie 2008 mit „magna cum laude“ ab. 2006 wurde Nina Schaller mit dem „Young Scientist Award“ der Society of Experimental Biology ausgezeichnet. Ab Ende Oktober 2009 untersucht Nina Schaller am Royal Ontario Museum Toronto die aerodynamischen Eigenschaften von Straußenflügeln.

    Siegerbeitrag
    Was macht den Afrikanischen Strauß zu einem der ausdauerndsten Läufer der Welt? Diese Frage zieht sich als roter Faden durch Dr. Nina Schallers Artikel über ihre Doktorarbeit. In ihrem Beitrag „Auf Zehenspitzen zum Weltrekord“ nimmt die Zoologin den Leser mit auf ihre Suche nach den Geheimnissen des „schnellsten Marathonläufers der Welt“ (die nur möglich war, weil Nina Schaller drei Straußenküken per Hand aufzog). Der Laie erhält auf diese Weise Einblick in ein biomechanisches Thema und versteht die Grundprinzipien einer Fortbewegung, die besonders energieeffizient ist. Der Artikel sei kurzweilig und interessant geschrieben, das Thema in glasklarer Weise behandelt und die Fragen allgemeinverständlich erklärt, urteilte die Jury des Klaus Tschira Preises.

  • Dr. rer. nat. Theobald Lohmüller

    (geb. 1977) studierte von 1998 bis 2003 Biologie und Chemie an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Würzburg. Sein Studienabschluss wurde 2004 mit dem Preis der Fakultät für Chemie und Pharmazie der Universität Würzburg ausgezeichnet. 2004 bis 2008 promovierte er bei Prof. Joachim Spatz am Max-Planck-Institut für Metallforschung, Stuttgart, und an der Universität Heidelberg. Seine Doktorarbeit mit dem Titel „Nanostructured Functional Materials“, die er mit „summa cum laude“ abschloss, wurde mit einem Preis aus dem „Dr. Sophie Bernthsen-Fonds“ ausgezeichnet. Im Anschluss an seine Promotion war er einige Monate für das Global Research Center for Nanostructured Surfaces der BASF in Singapur tätig. Seit Januar 2009 forscht Theobald Lohmüller am Department of Chemistry der University of California in Berkeley.

    Siegerbeitrag
    Gegensatz zu den bunten Tagfaltern scheinen die dämmerungs- und nachtaktiven  Motten ein Schattendasein zu fristen. Dr. Theobald Lohmüller zeigt in seinem Beitrag, dass die kleinen Nachtfalter ihren tagaktiven Verwandten keineswegs nachstehen. Sie sind für uns Menschen sogar äußerst interessant, weil sie einen Trick der Natur nutzen, der auch uns das Leben einfacher machen könnte. In seinem Artikel „Die Motte hat den Durchblick“ beschreibt Lohmüller äußerst spannend, wie die Motte es schafft, mit wenig Licht zu sehen und dabei unentdeckt zu bleiben. Der Chemiker hat untersucht, wie die Reflektion des Lichts an der Augenoberfläche verhindert wird. Er hat außerdem gezeigt und erklärt, wie dieses Prinzip mit Nanotechnologie auf herkömmliche Linsen- und Glasoberflächen übertragen und beispielsweise zur Entspiegelung oder zur Verbesserung von Solaranlagen eingesetzt werden könnte. Die übersichtliche Struktur seines Artikels, kurze Sätze und eine klare Sprache vermitteln dem Leser ein lebendiges Bild alltagsnaher Forschung, fand die Jury des Klaus Tschira Preises.

  • Dr. rer. nat. Dominik Schultes

    (geb. 1980) studierte von 2001 bis 2005 Informatik an der Universität Kaiserslautern und der Universität des Saarlandes, gefördert durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes. 2005 schloss er sein Studium mit dem Master of Science ab. 2004 erwarb Dominik Schultes ein Postgraduate Diploma in Science an der University of Auckland, Neuseeland. Dort wurde er als bester Student des Jahres in Computer Science ausgezeichnet. Er promovierte von 2005 bis 2008 an der Universität Karlsruhe mit dem Thema „Route Planning in Road Networks“ bei Prof. Peter Sanders mit „summa cum laude“. Der Förderverein des Forschungszentrums Informatik in Karlsruhe prämierte seine Doktorarbeit mit dem Preis für die beste Dissertation 2008. Noch vor seiner Promotion wurde Schultes im Januar 2008 in die Liste der weltweit 50 Preisträger des Scientific American Award aufgenommen, mit dem jährlich Wissenschaftler geehrt werden, die mit ihren Forschungsarbeiten technologische Spitzenpositionen besetzen. Seit 2008 ist Schultes als Senior-Software-Ingenieur bei der Capgemini sd&m AG in Offenbach am Main tätig.

    Siegerbeitrag
    Jeder kennt es: Man öffnet im Sommer einen Biomüll-Behälter und  ein Schwarm Fruchtfliegen kommt einem entgegen, der sich dort unter idealen Bedingungen aus wenigen Exemplaren entwickelt hat. In ihrem Beitrag „Wenn das Fliegenbaby auf sich warten lässt“ beschäftigt sich Karen Linnemannstöns mit der Fruchtbarkeit der Fruchtfliege. Ursprünglich interessierte sie sich für die Funktionsweise eines Gens mit dem Namen „off-track“, das auch bei Krebserkrankungen eine Rolle spielt. Jedoch entdeckte Karen Linnemannstöns, dass dieses Gen entscheidend ist für die Zeugungsfähigkeit der männlichen Fruchtfliege. Sie fand heraus, dass die männlichen Fruchtfliegen, denen dieses Gen fehlt,  zwar Spermien bilden, diese aber nicht zum Einsatz kommen, da die Samenleiter verkürzt und verengt sind. Ihre Untersuchung könnte auch für Menschen von Bedeutung sein, da 60 Prozent der Gene der Fruchtfliege ein Gegenstück im menschlichen Erbgut haben. Karen Linnemannstöns beschäftigt sich mit einem hochinteressanten Thema und hat ihren Siegerbeitrag unterhaltsam und nachvollziehbar strukturiert. Sie wird mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2014 im Fach Biologie ausgezeichnet.

  • Dr. rer. nat. Tim Conrad

    (geb. 1978) gründete nach seinem Abitur das EDV Systemhaus PC Point Conrad GbR in Buxtehude, dessen Inhaber er für zwei Jahre blieb. 2000 begann er ein Studium der Bioinformatik an der Freien Universität Berlin. Dort erwarb er 2003 den Bachelor of Science und im darauffolgenden Jahr den Bachelor of Computer Science (Honours) an der Monash University in Melbourne. 2005 schloss er sein Studium der Bioinformatik mit dem Master of Science an der FU Berlin ab. Seine Dissertation mit dem Titel „New Statistical Algorithms for the Analysis of Mass Spectrometry Time-Of-Flight Mass Data with Applications in Clinical Diagnostics“ fertigte Tim Conrad innerhalb der Graduduiertenschule „Berlin Mathematical School“ an der FU Berlin bei Prof. Christof Schütte an. Im Anschluss an seine mit „summa cum laude“ abgeschlossene Promotion übernahm er an der Freien Universität Berlin die Leitung der Nachwuchsgruppe „Computational Proteomics“.

    Siegerbeitrag
    Manchmal wird ein Arztbesuch zur Inspiration für eine Forschungsarbeit. Tim Conrad kam auf sein Promotionsthema nach einer Routine-Blutuntersuchung. Im Mittelpunkt seiner Forschung stand die Frage, welche „molekularen Fingerabdrücke“ bestimmte Krankheiten im Blutbild hinterlassen und wie man diese Erkrankungen dadurch frühzeitiger und besser nachweisen könnte. Hierfür entwickelte er unterschiedliche Algorithmen zur statistischen Auswertung der Massenspektren von Blutproben. Sein Einsatz einer herkömmlichen Playstation 3 beschleunigte die Berechnungen um ein Vielfaches. Tim Conrads Arbeit „Blutige Fingerabdrücke aus der Playstation“ ist ein sehr verständlich und fesselnd geschriebener Beitrag über eine Forschung im Grenzgebiet zwischen Medizin, Informatik und Mathematik. Anwendungsmöglichkeiten und Nutzen der Forschungsergebnisse werden dem Leser unmittelbar klar. Er versteht: Hier wird Mathematik eingesetzt, um Alltagsprobleme zu lösen.

  • Dr. rer. nat. Stefanie Höhl

    (geb. 1983) studierte von 2002 bis 2007 Psychologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Sie erstellte ihre Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig. Im Anschluss an ihr Diplom erarbeitete Stefanie Höhl dort bie Prof. Angela Friederici und Dr. Tricia Striano ihre Doktorarbeit mit dem Titel „Neural Correlates of Emotional Expression and Eye Gaze Processing in Infancy“. Im Dezember 2008 schloss sie ihre Promotion mit „summa cum laude“ an der Universität Leipzig ab. Von Mai 2007 bis September 2008 war Stefanie Höhl Stipendiatin der Max-Planck-Gesellschaft. Seit Abschluss der Doktorarbeit ist sie als Akademische Rätin am Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie und Biologische Psychologie der Universität Heidelberg beschäftigt. 2011 wurd sie mit dem Klaus-Georg und Sigrid Hengstberger-Preis für den wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität Heidelberg ausgezeichnet.

    Siegerbeitrag
    Wenn Menschen sich in unbekannten Situationen befinden, orientieren sie sich am Verhalten und an den emotionalen Signalen anderer. Sie lernen beispielsweise durch Beobachtung, dass erschrockene Gesichter ein Warnsignal sind. Dass auch bereits Babys im Alter von drei Monaten hierzu in der Lage sind, hat erstmals Stefanie Höhl herausgefunden. In ihrem Beitrag „Soziale Entdecker in Windeln“ beschreibt sie interessant und für jeden verständlich ihre Forschungen zu diesem Themengebiet. Stefanie Höhl erklärt in ihrem gut strukturierten Beitrag anschaulich, mit welchen Methoden sie bereits bei sehr jungen Babys herausfinden konnte, welche Fähigkeiten diese im Bereich des „sozialen Referenzierens“ besitzen, das die Voraussetzung für das Lernen durch Beobachtung ist. Zum Verständnis des Lesers trägt auch bei, dass die Wissenschaftlerin ihren eigenen Forschungsanteil anschaulich schildert.

  • Dr. phil. nat. Christian Vollmer

    (geb. 1977) studierte zunächst zwei Jahre lang Journalistik an der Universität Dortmund, bevor er sich von 1999 bis 2005 an der Universität zu Köln dem Studium der Geologie und Paläontologie widmete. Anschließend promovierte er von 2005 bis 2008 bei PD Dr. Peter Hoppe am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und bei Prof. Dr. Frank Brenker an der Universität Frankfurt mit dem Titel „NanoSIMS Analysis and High Resolution Electron Microscopy of Silicate Stardust Grains From Red Giant Stars and Supernova Explosions“. Im Juli 2009 wurde Christian Vollmer der Preis der Freunde und Förderer der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main für die in diesem Jahr beste naturwissenschaftliche Arbeit an der Universität verliehen. Zurzeit forscht Christian Vollmer am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz.

    Siegerbeitrag
    Welche Geschichte ein winziges Staubkorn, kleiner als ein tausendstel Millimeter, in sich trägt, erzählt Christian Vollmer in seinem packenden Beitrag „Ein kosmisches Körnchen Wahrheit“. Der Geologe beschreibt darin, wie er mit neuen Methoden aus der Nano-Materialforschung Meteoritenstaub „unter die Lupe“ genommen und welche Geheimnisse er ihm entlockt hat. Bereits der Vorspann seines Artikels weckt beim Leser Neugierde. Vollmer erfüllt diese Erwartungshaltung durch einen von Anfang bis Ende spannend geschriebenen Beitrag, der auch zeigt, dass in der Wissenschaft neben vielen technischen Herausforderungen immer wieder mit völlig unerwarteten Ergebnissen zu rechnen ist. 

Preisträger 2008

  • Dr. rer. nat. Jan Ole Kriegs

    (geb. 1977) studierte von 1998 bis 2004 Biologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Seine Diplomarbeit schloss er am Max-Planck-Institut für Molekulare Physiologie in Dortmund ab. Seine mit summa cum laude ausgezeichnete Dissertation mit dem Titel „Retroposed elements – witnesses of the evolutionary history of placental mammals“, verfasste er in der Arbeitsgruppe von Dr. Jürgen Schmitz und Prof. Jürgen Brosius am Institut für Experimentelle Pathologie in Münster. Seit September 2008 arbeitet er als Wirbeltierzoologe am LWL-Museum für Naturkunde in Münster.

    Siegerbeitrag
    Labormäuse werden täglich und weltweit in vielfältigen Experimenten als menschlicher Modellorganismus eingesetzt. Neuste Forschungen haben nun bestätigt, dass Spitzhörnchen in die direkte Verwandtschaft des Menschen gehören und uns näher verwandt sind, als die Labormaus. Diese Erkenntnisse, zu der Jan Ole Kriegs mit seiner Doktorarbeit beigetragen hat, beruhen auf neu entwickelten bioinformatischen Ansätzen und molekularbiologischen Analysen sogenannter „springender Gene“. In seinem Beitrag „Springende Gene entschlüsseln die Frühgeschichte der Säugetiere“ hat Jan Ole Kriegs gut nachvollziehbar und überzeugend erklärt, welche genetische Beziehung der Mensch zu seinen neuen engen Verwandten hat. Der Leser begreift, dass ein korrekter Stammbaum zur vergleichenden biomedizinischen Forschung unabdingbar ist.

  • Dr. rer. nat. Marie Katrin Schröter

    (geb. 1978) studierte von 1998 bis 2003 Chemie an der Ruhr-Universität in Bochum. Ihr Schwerpunkt lag im Bereich der Anorganischen Chemie. 2002 absolvierte sie ein Forschungsjahr an der University of California in Los Angeles. Ihr Diplom wurde sowohl 2002 von der Ruth und Gerd Massenberg Stiftung als auch mit dem Wilke-Preis ausgezeichnet. Für Ihre Promotion erhielt sie zwischen 2004 und 2007 Stipendien der Wilhelm und Günter Esser Stiftung und des Evangelischen Studienwerks. Ihre Doktorarbeit schloss Marie Katrin Schröter an der Ruhr-Universität Bochum unter Führung von Prof. Roland A. Fischer mit Auszeichnung ab. Im Dezember erhielt sie den  „She Study Award“ der Firma Shell. Seit 2008 erforscht Marie Schröter als Teamleiterin bei BASF in Ludwigshafen heterogene Katalysatoren für unterschiedliche Anwendungen.

    Siegerbeitrag
    Mit ihrem Artikel „Die Partnervermittlung der kleinen Teilchen“ entführt Marie Katrin Schröter ihre Leser in die Nanowelt. In ihrer Doktorarbeit hat sich die Chemikerin mit Kupfer- und Zinkoxid-Teilchen von wenigen Nanometern Größe befasst, also Teilchen, die nur einige Millionstel Millimeter groß sind. Aus diesen Nanoteilchen hat sie Katalysatoren designt, um Methanol zu produzieren, eine der wichtigsten Basischemikalien und einer der aussichtsreichsten Energieträger der Zukunft. Marie Katrin Schröter beschreibt in ihrem Beitrag äußerst  anschaulich und mit schönen Bildern, wie sie bei der Herstellung der Katalysatoren Neuland betrat. Dabei stellt sie ihre wissenschaftliche Arbeit spannend und verständlich dar und erklärt dem Leser, welchen Bezug diese Grundlagenforschung zur Praxis hat.

  • Dr.-Ing. Christian Fleischer

    (geb. 1974) studierte von 1996 bis 2001 Technische Informatik an der Technischen Universität in Berlin. Im Jahr 2000  gewann er mit seinen Kommilitonen die „International Aerial Robotics Competition“ in den USA. Seine Diplomarbeit wurde mit dem ersten Preis des Elektrotechnischen Vereins e.V. des Verbands der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) ausgezeichnet. Im Anschluss an sein Studium war er 2 Jahre als Softwareentwickler für die Firma XION medical GmbH und das Ingenieurbüro Sorowka tätig. Seine Dissertation schloss Christian Fleischer 2007 im Fachgebiet Prozessdatenverarbeitung und Robotik bei Prof. Dr. Dr. h. c. Günter Hommel mit Auszeichnung ab. Bis Juni 2009 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) und der TU Berlin tätig. Anschließend wechselte er als Softwareentwickler zur Specs GmbH, wo er seit 2010 die Software-Entwicklungsabteilung leitet.

    Siegerbeitrag
    seiner Promotionsarbeit hat sich Christian Fleischer mit einer besonderen Interaktion zwischen Mensch und Maschine beschäftigt: Im Mittelpunkt seiner Forschung stand die Frage, wie ein Exoskelett, d. h. eine künstliche äußere Stütze, ein beschädigtes Kniegelenk entlasten kann. In seinem Beitrag „Das zweite Skelett des Menschen“ beschreibt der Informatiker, wie Computerprogramme bei der Steuerung von Bewegungen helfen, die vom Menschen und dem Exoskelett gemeinsam durchgeführt werden. Christian Fleischer erläutert anschaulich und gut verständlich die komplexen Abläufe und führt dem Leser Chancen und Probleme dieses Assistenzsystems vor Augen.

  • Dr. rer. nat. Kristian Franze

    (geb. 1976) studierte von 1995 bis 2001 Tiermedizin an der Universität Leipzig. Er promovierte im Rahmen des Graduiertenkollegs InterNeuro unter der Betreuung von Prof. Josef Käs  und von  Prof. Andreas Reichenbach im Fachgebiet Physik. Für seine mit summa cum laude ausgezeichnete Arbeit erhielt Kristian Franze den Doktorandenpreis der Research Academy Leipzig und wurde für den Paul Ehrlich und Ludwig Darmstaedter Nachwuchspreis nominiert. Seine Dissertation trägt den Titel: „Mechanical and Optical Properties of Nervous Tissue and Cells“. Nach seiner Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Leipzig trat Kristian Franze im November 2007 eine Postdoc-Stelle an der University of Cambridge in Großbritannien an, wo er derzeit die Bedeutung der Mechanik im Nervensystem untersucht. Seit September 2008 ist er Feodor-Lynen-Stipendiat der Alexander von Humboldt Stiftung.

    Siegerbeitrag
    „Und es ward Sicht“ hat Kristian Franze seinen Artikel genannt. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat der Neurowissenschaftler untersucht, wieso wir scharf sehen können, obwohl unsere Netzhaut „verkehrt herum“ im Auge liegt. Sie fanden heraus, dass dies an Zellen liegt, die ähnlich wie optische Fasern Licht durch die Netzhaut leiten. Diese wissenschaftlich außerordentliche Erkenntnis, die mit dem Cozzarelli Preis der Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA prämiert wurde, stellte Kristian Franze deutlich dar und ordnet sie gut in den Hintergrund ein. Sein Artikel lässt das Funktionsprinzip der Netzhaut auf Anhieb verstehen und der Leser kann den Weg, den die Forscher beschritten haben, gut nachvollziehen.

  • Dr. rer. nat. Felicitas Friederike Christina Mokler

    (geb. 1976) studierte von 1996 bis 2002 Physik am Imperial College in London, an der Universidad de La Laguna/IAC in Teneriffa und an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Ihre Dissertation verfasste sie ebenfalls in München unter dem Titel „Die Rolle der Staubkoagulation bei der Planetenentstehung - Coulomb-dipolinduzierte Gelierung im besonderen" bei Prof. G. E. Morfill am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching. Im Juli 2007 wurde sie an der Universität München promoviert. Gegen Ende der Promotion hatte  Felicitas Mokler bereits eine Anstellung an der TU Braunschweig. Im Anschluss daran wechselte sie zurück an das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und arbeitet nun dort mit Kollegen von der University of St Andrews zu Staubaufladung und Blitzentstehung in Atmosphaeren "Brauner Zwerge" Im Juni 2009 wechselte Sie als Presserefentin an das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (AEI, Teilinstitut in Hannover).

    Siegerbeitrag
    Planetenentstehung ist ein Wettlauf mit der Zeit. Denn nur für einen begrenzten Zeitraum steht hierzu ausreichend Materie in der Umgebung junger Sterne zur Verfügung. Wie dieser Wettlauf gewonnen werden kann, schildert Felicitas Mokler in ihrem Artikel „Planetenentstehung auf der Raumstation“. Darin beschreibt die Physikerin spannend, wie Daten aus einem  eigentlich fehlgeschlagenen Experiment zu neuen Erkenntnissen führen können. Deutlich ist ihr eigener Anteil an der kollektiven Arbeit zu erkennen.

  • Dr. rer. nat. Anne Julia Stähler

    (geb. 1978) studierte von 1998 bis 2004 Physik an der Freien Universität Berlin. Dort arbeitete sie bei Prof. Dr. Martin Wolf  auch an ihrer Doktorarbeit, welche sie 2007 mit Auszeichnung abschloss. 2005 bis 2007 war sie darüber hinaus Studentin der International Max Planck Research School „Complex Surfaces in Materials Science“ des Fritz-Haber-Instituts der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. Im Anschluss an ihre Dissertation arbeitete sie zunächst als Postdoc an der Freien Universität Berlin und forschte als Gastwissenschaftlerin an der University of Pittsburgh (USA). Im April 2008 ging Anne Julia Stähler für ein Jahr als Feodor-Lynen-Stipendiatin der Alexander von Humboldt Stiftung als Postdoc an der University of Oxford (Großbritannien). Seit April 2009 ist sie Arbeitsgruppenleiterin am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin.

    Siegerbeitrag
    Um die Computer von morgen kleiner und leistungsstärker zu gestalten, ist eine Verkleinerung der Transistoren notwendig. In ihrem Artikel „Unsterbliche Elektronen“ führt Anne Julia Stähler den Leser in das Gebiet der molekularen Transistoren ein, mit deren Weiterentwicklung sie sich in ihrer Forschungsarbeit beschäftigt hat. Der Leser folgt der Physikerin mit Leichtigkeit in ein Gebiet, das üblicherweise weniger klar dargestellt wird. Durch den treffenden Einsatz von Bildern und den schönen systematischen Aufbau macht Anne Julia Stähler ein schwieriges Thema verständlich.

Preisträger 2007

  • Dr. sc. hum. Cristina Voss

    (geb. 1969) studierte von 1987 bis 1992 Chemie an der Universität Bukarest. Im Anschluss arbeitete sie mehrere Jahre als Wissenschaftlerin an Forschungsinstituten in Rumänien, den Niederlanden und Deutschland. Ihre Promotionsarbeit absolvierte Dr. Cristina Voss am Deutschen Krebsforschungszentrum unter der Anleitung von Prof. Martin R. Berger in Heidelberg. 2006 wurde sie mit „summa cum laude“ an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg promoviert. Im September 2006 begann Cristina Voss ihre Arbeit als Projektmanagerin bei der Heidelberg Pharma AG.

    Siegerbeitrag
    In ihrem Wettbewerbsbeitrag „Riproximin: Schamanenpulver oder Krebsmedikament?“ beschreibt Cristina Voss spannend und anschaulich ihre Forschungsarbeit. Sie zeichnet den Weg von der Entdeckung der krebshemmenden Wirkung eines afrikanischen Pulvers bis zur wissenschaftlichen Auswertung der Forschungsergebnisse nach. Die Beschreibungen des Forschungsweges sind spannend und so geschrieben, dass der Leser der Wissenschaftlerin über die Schulter zu schauen meint. Er erlebt mit, wie Krebsforscher eine unkonventionelle Behandlungsmethode ernst nehmen und mit modernen wissenschaftlichen Methoden untersuchen.

  • Dr. phil. nat. Jacqueline Burré

    Dr. phil. nat. Jacqueline Burré (geb. 1978) studierte 1998 bis 2003 Biochemie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main. 2003 erhielt sie den Procter & Gamble Diplomförderpreis für die beste Diplomarbeit in Chemie und Biochemie. Jacqueline Burré promovierte 2006 an der Johann-Wolfgang-Goethe Universität am Institut für Biochemie mit „summa cum laude“. Ihre Dissertation mit dem Titel „Proteomanalyse synaptischer Vesikel und Charakterisierung neuer Proteine“ erarbeitete sie unter der Anleitung von Prof. Walter Volknandt. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Charakterisierung von Botenstoffproteinen in Nervenzellen. Im Anschluss an die Promotion arbeitete Dr. Burré noch bis Ende 2006 als Postdoc an der Charakterisierung von Vesikelproteinen an der Frankfurter Universität, bis sie Anfang 2007 eine Postdoc-Stelle am Center of Neuroscience, Dallas der University of Texas, USA antrat. Im Juni 2008 wechselte sie als Postdoc an die Stanford University, Palo Alto, California, wo sie Forschungen zum Thema: „Struktur/Funktionsanalyse von alpha-Synuclein im Hinblick auf Neurodegeneration und chaperon-ähnliche Funktionen durchführt.

    Siegerbeitrag
    Nadel im nervösen Heuhaufen“ lautet der Titel ihres mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2007 im Fach Chemie prämierten Textes. Jacqueline Burré beschreibt anschaulich und prägnant ihre komplexe Forschungsarbeit. Bildhaft führt sie den Leser in die geheimnisvolle Welt der Nervenzellen und Botenstoffe ein und macht Fachbegriffe Laien verständlich. Dabei versteht sie es, dem Leser die praktische Bedeutung der Forschung in kurzen, prägnanten Sätzen begreiflich zumachen.

  • Dr. rer. nat. Sebastian Sager

    (geb. 1975) studierte 1995 bis 2001 Mathematik an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Seine Promotion absolvierte Sebastian Sager von 2002 bis 2006 an der Universität Heidelberg bei Prof. Hans Georg Bock. Seine Dissertation mit dem Titel „Numerical methods for mixed integer optimal control problems“ schloss er mit „summa cum laude“ ab. Im Anschluss an seine Doktorarbeit folgten zwei Jahre als Postdoc im Bereich des Wissenschaftlichen Rechnens in Heidelberg und Madrid. Seit Oktober 2008 leitet Sebatian Sager die Nachwuchsgruppe „Optimierung“ in der Graduiertenschule „Mathematische und computergestützte Methoden für die Wissenschaften“ an der Universität Heidelberg.

    Siegerbeitrag
    „Von diskreten Mathematikern und Wanderungen im Gebirge“ lautet der Titel des prämierten Textbeitrages von Sebastian Sager. Er beschreibt anschaulich anhand von Alltagsbeispielen die allgemeine Relevanz seiner Forschung, die sich mit der Optimierung von Abläufen beschäftigt. In diesem Zusammenhang stellt er grundlegende Arbeiten verständlich dar und beschreibt, wie nicht nur ein einziges, sondern eine ganze Klasse von Problemen gelöst werden kann.

  • Dr. rer. nat. Miriam Spering

    Dr. Miriam Spering studierte von 1998 bis 2002 Psychologie an der Universität Heidelberg. Für ihre Diplomarbeit wurde sie vom Psychologischen Institut mit dem Franz Emanuel Weinert Preis ausgezeichnet. Im Rahmen eines Graduiertenkollegs der Deutschen Forschungsgemeinschaft promovierte sie von 2003 bis 2006 unter der Betreuung von Prof. Karl Gegenfurtner im Fachbereich Allgemeine Psychologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Ihre Doktorarbeit mit dem Titel „Visual signals for smooth pursuit eye movements“ schloss Miriam Spering im September 2006 mit der Note „summa cum laude“ ab. Hierfür erhielt sie von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie den 1. Preis im Fachbereich Allgemeine Psychologie. Seit Oktober 2006 ist die Forscherin als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Gießen tätig. Derzeit erforscht sie mit einem Postdoc-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der New York University (USA) im Department of Psychology den Einfluss von Aufmerksamkeit auf die bewusste und unbewusste visuelle Wahrnehmung.

    Siegerbeitrag
    In ihrem Wettbewerbsbeitrag „Wenn das Gehirn am Steuer sitzt“ erklärt die Preisträgerin einen raffinierten Selbstschutzmechanismus des Gehirns. Sie schildert anschaulich, wie das Gehirn mit visuellen Störeinflüssen zurechtkommt. Dabei verwendet Miriam Spering alltägliche Beispiele und verzichtet auf Fachausdrücke.

  • Dirk Notz Ph.D.

    Dirk Notz, Ph. D. studierte von 1999 bis 2001 Meteorologie, Physik und Physikalische Chemie an der Universität in Hamburg, mit Gaststudienaufenthalten am University Centre in Svalbard, Spitzbergen (Norwegen) und und der University  of Washington, Seattle. Von 2002 bis 2005 promovierte Dirk Notz als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes am Institute of Theoretical Geophysics der Universität Cambridge, Großbritannien. Seine Dissertation mit dem Titel „Thermodynamic and Fluid-Dynamical Processes in Sea Ice“ schloss er bei seinem Doktorvater Prof. Grae Worster mit Auszeichnung ab. Von 2005 bis 2007 war der Nachwuchswissenschaftler Gary-Comer-Fellow for Abrupt Climate Change am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Seit 2008 leitet er dort die Forschungsgruppe „Meereis im Erdsystem“.

    Siegerbeitrag
    In seinem prämierten Textbeitrag „Das Ende der Eis-Zeit?“ stellt Dirk Notz hochinteressante Ergebnisse zur Dynamik des Klimawandels journalistisch spannend dar. Theorie und Praxis werden leicht verständlich und packend vermittelt, so dass auch dem Laien die Bedeutung der Forschung bewusst wird.

Preisträger 2006

  • Dr. rer. nat. Florian Bredenbruch

    (geb. 1976) absolvierte sein Biologiestudium von 1996 bis 2002 an der Universität Hannover. Ende 2002 wechselte er für seine Doktorarbeit mit PD Dr. Susanne Häußler und der Arbeitsgruppe „Chronische Pseudomonas Infektionen“ an das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) nach Braunschweig. Im Januar 2006 absolvierte der Nachwuchsforscher seine Doktorprüfung bei Prof. Dr. Jürgen Wehland an der Technischen Universität Braunschweig mit der Note „sehr gut“. Seine Doktorabeit trägt den Titel „Einfluss des Pseudomonas Quinolon Signals auf die interbakterielle Kommunikation von Pseudomonas aeruginosa“.

    Siegerbeitrag
    Sein Kurzaufsatz - „Fit durch Brudermord“ bringt dem Leser nahe, wie die biologische Grundlagenforschung neue Wege zur Therapie schwerer Infektionskrankheiten eröffnen kann, für die bisher keine Behandlungen existieren.

  • Dr. rer. nat. Christian Boehm (geb. Schmitz)

    (geb. 1975) studierte Chemie an der Universität Kaiserslautern und der University of Edinburgh. Im September 2001 schloss er das Studium mit Auszeichnung ab. Nach einem Forschungsaufenthalt am Deutschen Krebsforschungszentrum in  Heidelberg fertigte er seine Dissertation mit dem Titel: "Entwicklung eines opto-mechanischen Mikrolabors zur Generierung und Untersuchung biometrischer Proteinnetzwerke" am Physikalisch-Chemischen Institut der Universität Heidelberg im Arbeitskreis von Prof. Joachim Spatz an. Seine Promotion schloss er im Dezember 2005 mit summa cum laude ab. Christian Böhm wurde gefördert durch die  Studienstiftung des Deutschen Volkes sowie ein Kekulé-Stipendium des Fonds der chemischen Industrie. Im Anschluss an seine Promotion forschte er als Postdoc am Max-Planck-Institut für Metallforschung, Stuttgart, und an der Universität Heidelberg. Im November 2006 folgte ein Postdoc-Aufenthalt als Stipendiat der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina an der Harvard University, Cambridge USA. Dort arbeitet er in der Division of Engineering and Applied Sciences Experimental Soft Condensed Matter Group von Prof. David Weitz.

    Siegerbeitrag
    Modellbau im Mikrolabor Würdigung der Jury: Sehr gute Darstellung des Sachverhalts, Titel und Fazit sprechen direkt an.

  • Dr.-Ing. Peter Birkholz

    (geb. 1978) studierte von 1997 bis 2002 Informatik an der Universität Rostock. Im Rahmen des Graduiertenkollegs 466 promovierte er von 2002 bis 2005 im Arbeitskreis von Prof. Dr. Dietmar Jackèl im Fach Informatik/Signalverarbeitung. Seine Doktorarbeit mit dem Titel „3DArtikulatorische Sprachsynthese“ schloss der Forscher im Oktober 2005 mit der Note „Summa cum laude“ ab. Die Universität Rostock zeichnete ihn für seine Dissertation mit dem Joachim-Jungius-Förderpreis 2006 aus. Seit Oktober 2005 führt Dr. Birkholz seine Forschung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Rostock fort.

    Siegerbeitrag
    Sein Textbeitrag für den Klaus Tschira Preis trägt den Titel „Simulation menschlicher Spracherzeugung“. Für den Laien verständlich stellt der Informatiker dar, wie in einem neuartigen Computermodell menschliche Sprache so nachgebildet werden kann, dass die elektronische Stimme nicht mehr künstlich klingt und in Zukunft auch menschliche Originalstimmen imitieren kann.

  • Dr. rer. nat Armin Fügenschuh

    (geb. 1974) studierte Mathematik und Informatik an der Universitäte Oldenburg. Im September 2000 schloss er den Diplomstudiengang mit „sehr gut“ ab. Seine Dissertation mit dem Thema: "The integrated optimization of school starting times and public transport", fertigte er an der Universität Darmstadt im Fach Mathematik bei Prof. Alexander Martin am Lehrstuhl Diskrete Optimierung an . Die Promotion schloss er im Juni 2005 mit Auszeichnung ab. Armin Fügenschuh wurde von der Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert. Im Anschluss an seine Promotion blieb er als Postdoc in der Arbeitsgruppe, die seit Oktober 2005 zum im DFG-Sonderforschungsbereich 666 (Integrale Blechbauweisen höherer Verzweigungsordnung) gehört. 2006 absolvierte er einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt an der Universität von Sao Paulo bei Prof. Dr. Carlos Ferreira. Am 1. April 2009 wechselte er an das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik (ZIB), Division Scientific Computing, Department Optimization, in Berlin.

    Siegerbeitrag
    In seinem Wettbewerbsbeitrag „Optimale Schulanfangszeiten“ erklärt der Autor in anschaulicher und prägnanter Weise wie die moderne Mathematik hilft, effiziente Lösungen für komplexe Planungsprobleme wie die Staffelung von Schulanfangszeiten zu finden.

  • Dr. rer. nat. Alexander Maier

    (geb. 1976) studierte Biologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sein Diplom schloss er 2002 mit „sehr gut“ ab. Dr. Alexander Maier promovierte am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik und an der Abteilung Physiologie kognitiver Prozesse der Graduate School for Behavioural and Neurosciences in Tübingen. Der Titel seiner Dissertation lautet: "Shared and distinct cortical mechanisms underlying the perception of diverse visually ambiguous patterns". Seine Promotion schloss er bei seinem Doktorvater Prof. Nikos K. Logothtis im Juni 2004 mit summa cum laude ab. 2006 wurde er mit dem Julius Axelrod Memorial Fellowship Training Award for outstanding scientific accomplishments ausgezeichnet. Im Anschluss an seine Promotion ging er als Research Fellow an die National Institutes of Health nach Bethesda, Maryland / USA (Unit on Cognitive Neurophysiology and Imaging (Dr. Leopold), Laboratory of Neuropsychology, National Institute of Mental Health, Bethesda, MD, USA).

    Siegerbeitrag
    Der Wettbewerbsbeitrag “Schlechte Nachrichten für Gedankenleser” liefert dem Leser einen verständlichen Einblick in eines der Top-Themen moderner Hirnforschung, den Zusammenhang zwischen Hirnstruktur und bewusstem Erleben.

  • Dr. rer. nat. Nils Huse

    (geb. 1972) studierte Physik an den Universitäten Freiburg, Heidelberg und der Université de Paris-Sud. Sein Diplom absolvierte er 2001 am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie, Göttingen und an der Universität Heidelberg. Dr. Nils Huse promovierte bei Prof. Dr. Thomas Elsässer an der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Max-Born-Institut in Berlin-Adlershof im Fach Experimentalphysik. Das Thema seiner Dissertation war: "Multidimensional vibrational spectroscopy of hydrogen-bonded systems in the liquid phase: Coupling mechanisms and structural dynamics". Im Februar 2006 schloss er seine Promotion mit summa cum laude ab. Im Anschluss an die Promotion forschte er bis Anfang 2007 als Postdoc am Max-Born-Institut. 2007 wechselte er als Wissenschaftler an das Lawrence Berkeley National Laboratory der University of California ,Berkeley.

    Siegerbeitrag
    In „Das kurze Gedächtnis des Wassers“ schildert Dr. Nils Huse, wie die moderne Experimentalphysik hilft, die Geheimnisse, die Wasser als Medium des Lebens in sich trägt, zu lüften und seine Eigenschaften in ein neues Licht zu rücken.