Preisträger

Der Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 1997 bis 1999 richtete sich ausschließlich an Promovierte der Technischen Hochschule Karlsruhe. Ausgezeichnet wurden anschaulich formulierte Doktorarbeiten.

Seit 2006 können sich Promovierte unabhängig von der Universität, an der sie promoviert haben, um den Preis bewerben. Dies bezieht auch ausländische Universitäten mit ein. Ausgezeichnet werden populärwissenschaftliche Artikel in deutscher Sprache.

Aktuelle Preisträger 2014


Biologie

Vita
Dr. rer. nat. Karen Linnemannstöns (geb. 1984) studierte an der Georg-August-Universität Göttingen und an der International Max Planck Research School Göttingen. Ihre Masterarbeit schrieb sie am Center for Molecular Medicine am Karolinska Institutet in Stockholm, Schweden. Ihre Promotion mit dem Titel "The transmembrane receptors Otk and Otk2 function redundantly in Drosophila Wnt signal transduction" erarbeitete sie an der International Max Planck Research School an der Georg-August-Universität Göttingen am Institut für Anatomie und Zellbiologie. Karen Linnemannstöns arbeitet seither als Postdoc in der Abteilung Stammzellbiologie an der Universität Göttingen.

Siegerbeitrag
Jeder kennt es: Man öffnet im Sommer einen Biomüll-Behälter und  ein Schwarm Fruchtfliegen kommt einem entgegen, der sich dort unter idealen Bedingungen aus wenigen Exemplaren entwickelt hat. In ihrem Beitrag „Wenn das Fliegenbaby auf sich warten lässt“ beschäftigt sich Karen Linnemannstöns mit der Fruchtbarkeit der Fruchtfliege. Ursprünglich interessierte sie sich für die Funktionsweise eines Gens mit dem Namen „off-track“, das auch bei Krebserkrankungen eine Rolle spielt. Jedoch entdeckte Karen Linnemannstöns, dass dieses Gen entscheidend ist für die Zeugungsfähigkeit der männlichen Fruchtfliege. Sie fand heraus, dass die männlichen Fruchtfliegen, denen dieses Gen fehlt,  zwar Spermien bilden, diese aber nicht zum Einsatz kommen, da die Samenleiter verkürzt und verengt sind. Ihre Untersuchung könnte auch für Menschen von Bedeutung sein, da 60 Prozent der Gene der Fruchtfliege ein Gegenstück im menschlichen Erbgut haben. Karen Linnemannstöns beschäftigt sich mit einem hochinteressanten Thema und hat ihren Siegerbeitrag unterhaltsam und nachvollziehbar strukturiert. Sie wird mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2014 im Fach Biologie ausgezeichnet.


Chemie

Vita
Dr. rer. nat. Jan Ungelenk
(geb. 1985) studierte Nanostrukturwissenschaft – Nanostructure and Molecular Sciences - an der Universität Kassel. Seine Diplomarbeit schrieb er am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg in Stuttgart. Seine mit summa cum laude ausgezeichnete Doktorarbeit hat den Titel Zinnwolframat – ein solar aktivierbarer Fotokatalysator und Übergangsmetallwolframate als nanoskalige Funktionsmaterialien und wurde betreut von Prof. Dr. Claus Feldmann am Karlsruher Institut für Technologie. Für seine Dissertation erhielt er den Umweltpreis der Sparkasse Karlsruhe Ettlingen 2013. Seit März 2014 ist Jan Ungelenk Laborleiter (Oxidationskatalyse) bei der BASF SE in Ludwigshafen.

Siegerbeitrag
Jan Ungelenk hat sich in seinem Beitrag „Chemie mit der Kraft der Sonne“ die Natur zum Vorbild genommen. Er beschreibt die Suche nach einem neuen Material, mit dem Sonnenlicht für chemische Reaktionen viel effizienter genutzt werden kann als es herkömmlich noch der Fall ist. Solch ein Fotokatalysator, der sichtbares Licht nutzen kann, ist beispielsweise für medizinische Anwendungen interessant. Aufgrund der Theorie erschien Zinnwolframat  mit seinen Eigenschaften hierfür ein geeigneter Kandidat zu sein. Mit Hilfe eines Tricks ist es Jan Ungelenk erstmals gelungen, die gelbe Variante von Zinnwolframat, die fotokatalytische Eigenschaften besitzt, bei niedriger Temperatur in unerreicht hoher Qualität herzustellen. Dieses gelbe Zinnwolframat ist unter simuliertem Sonnenlicht bis zu 16fach aktiver als Titandioxid, der heute noch am meisten verwendete Fotokatalysator. In mehreren Experimenten wurde demonstriert, dass gelbes Zinnwolframat menschliche Leberkrebszellen unter Belichtung mit blauem Licht zerstört. Jan Ungelenk erhält den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2014 im Fach Chemie. Zum einen gelingt es ihm dem Leser seine Forschung verständlich darzustellen, indem er Fachbegriff anschaulich erklärt und zum anderen hält er den Spannungsbogen von Anfang bis Ende.



Informatik

Vita
Dr. sc. Sebastian Trimpe (geb. 1981) studierte von 2002 bis 2007 an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (Bachelor und Diplom). Für herausragende Leistungen im ingenieurswissenschaftlichen Studium wurde er 2005 mit dem ThyssenKrupp General Engineering Award für sein Bachelorstudium ausgezeichnet. Er besuchte für ein Forschungssemester die University of California, Berkeley. Seine Promotion mit dem Titel Distributed and event-based state estimation and control erarbeitete er an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. Betreut wurde er von Prof. Dr. Raffaello D’Andrea. Seit 2013 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Autonome Motorik am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen.

Siegerbeitrag
Wie müssen Systeme miteinander kommunizieren, damit relevante Daten rechtzeitig übertragen werden? Dieser Frage geht Sebastian Trimpe in seinem Siegerbeitrag „Wenn es was zu sagen gibt“ nach. Sebastian Trimpe hat Methoden entwickelt, bei denen der Inhalt der Daten entscheidet, ob sie übermittelt werden oder nicht. Jede Einheit sendet nur dann Informationen, wenn diese Informationen für die anderen Einheiten neu und vor allem relevant sind. Im Gegensatz zu herkömmlichen Regelkreisen, die zeitbasiert kommunizieren, wird mit diesen Methoden ereignisbasiert kommuniziert. Das heißt, dass bei dieser Art der Kommunikation Daten anstatt zu festen Zeiten, nur zu bestimmten Ergebnissen übertragen werden. Sebastian Trimpe wird mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2014 im Fach Informatik ausgezeichnet, weil er mit seinem Beitrag die Neugier der Leser weckt und seine Untersuchungen anhand eines Beispiels nachvollziehbar beschreibt. Hierbei verwendet er in seinem Artikel einen szenischen Einstieg und nimmt den Leser sofort mit.


 
Mathematik

Vita
Dr. rer. nat. Jannik Matuschke (geb. 1984) studierte von 2004 bis 2007 Mathematik an der Universität Dortmund und wechselte nach dem Vordiplom an die Technische Universität Berlin, wo er nach Abschluss des Studiums auch promovierte. Seine mit summa cum laude ausgezeichnete Dissertation hat den Titel Network flows and network design in theory and pratice und wurde betreut von Prof. Dr. Martin Skutella vom Institut für Mathematik an der TU Berlin. Von September 2013 bis März 2014 war er für einen Forschungsaufenthalt an der Universidad de Chile in Santiago. In Kürze beginnt er einen einjährigen Postdoc an der Universität “Tor Vergata” in Rom.

Siegerbeitrag
Wie können Transportvorgänge optimiert werden, damit ein Unternehmen Kosten sparen kann? Mit dieser Frage beschäftigt sich Jannik Matuschke in seinem Beitrag „Mathematischer Modellbau“. Er hat die Abläufe beim Transport mit Hilfe eines mathematischen Modells beschrieben und für die praktische Umsetzung einen Algorithmus entwickelt, der einen optimierten Transportplan berechnet. Herkömmliche Modelle berechnen Transportwege und Lieferfrequenzen beim Transport getrennt voneinander, Jannik Matuschke hat beides in einem Modell zusammengefasst. In einem ersten Test konnte eine Kostensenkung von 14 Prozent – im Vergleich zu mit herkömmlichen Modellen erstellten Transportplänen – erreicht werden. In seinem Beitrag beschreibt Jannik Matuschke anschaulich und nachvollziehbar, welche Punkte bei seiner Forschung beachtet werden müssen. In seinem Beitrag zeigt er den praktischen Bezug der Mathematik zum Alltag auf und stellt dabei sehr gut die Fortschritte seiner Arbeit gegenüber dem derzeitigen Kenntnisstand der Forschung dar. Jannik Matuschke erhält den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2014 im Fach Mathematik.
 

 
Neurowissenschaften

Vita
Dr. phil. Katja Franke
(geb. 1978) studierte 1996 bis 2004 Psychologie an der Martin-Luther-Universität Halle (Diplom). Außerdem absolvierte sie 1999 bis 2001 an der Ludwig-Maximilians-Universität München ein Internationales Master Programm „Psychology of Excellence“ (MA). Für Forschungsaufhalte war sie beispielweise am Beth Israel Deaconess Medical Center und der Harvard Medical School in Boston. Ihre Dissertation mit dem Titel BrainAGE – a novel machine learning approach for identifying abnormal age-related brain changes schloss sie im März 2013 mit summa cum laude an der Universität Zürich ab. Seither ist Katja Franke als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Universitätsklinikum Jena in der Structural Brain Mapping Group tätig.

Siegerbeitrag
Kennen Sie Ihr Gehirnalter? Katja Franke beschäftigt sich in ihrem Beitrag „BrainAGE - Wie alt sieht mein Gehirn aus?“ mit der Bestimmung des Gehirnalters. Ein erhöhtes Hirnalter kann auf ein größeres Risiko an Alzheimer-Demenz zu erkranken hinweisen. Man hofft, medikamentöse Therapien, die in der Entwicklung sind, zukünftig rechtzeitig und gezielt einsetzen zu können. Das menschliche Gehirn besteht u.a. aus der grauen und der weißen Substanz, die bei normaler Alterung kontinuierlich abnehmen. Dadurch ergeben sich bei gesunden Menschen alterstypische Muster in der Gehirnstruktur. Katja Franke hat eine Methode entwickelt, die das Gehirnalter anhand dieser „Merkmalsmuster“ bestimmt. Dazu verwendet sie Aufnahmen aus der Kernspintomographie. Mit ihrer BrainAGE-Methode konnte beispielsweise entdeckt werden, dass bei Patienten mit Alzheimer-Demenz das Gehirn innerhalb eines Jahres doppelt so schnell altert wie das Gehirn von gesunden Gleichaltrigen. In ihrem Beitrag beschäftigt sich Katja Franke mit einem für die Allgemeinheit hochinteressanten Thema. Ihr gelingt es, ihre Forschung verständlich zu erklären, ohne wissenschaftliche Fachausdrücke zu verwenden. Katja Franke wird mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2014 im Fach Neurowissenschaften aufgezeichnet.




Physik

Vita
Dr. rer. nat. Benjamin Thaidigsmann
(geb. 1984) studierte von 2003 bis 2009 Physik (Diplom) an der Eberhard Karls Universität in Tübingen. Seine Promotion mit dem Titel Entwicklung und Charakterisierung hocheffizienter MWT-PERC-Solarzellen aus p dotiertem, kristallinem Silicium erarbeitete er am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) in Freiburg. Betreut wurde er von Prof. Dr. Heinz Clement von der Universität Tübingen und Prof. Dr. Gerhard Willeke von der Universität Konstanz. Seit dem Abschluss seiner Promotion leitet Benjamin Thaidigsmann das Team Industrielle Zellstrukturen am Fraunhofer ISE.

Siegerbeitrag
In seinem Siegerbeitrag „Solarzellen mit Rückspiegel“ beschäftigt sich Benjamin Thaidigsmann mit erneuerbaren Energiequellen. Die Photovoltaik, die Umwandlung von Licht zu Strom, gehört zu den wichtigsten alternativen Stromquellen. Allerdings nutzen herkömmliche Solarzellen das Sonnenlicht nicht ideal. Im Rahmen seiner Doktorarbeit hat Benjamin Thaidigsmann eine neuartige Solarzellenstruktur entwickelt, die besonders viel Sonnenlicht aufnehmen und umwandeln kann. Dafür hat er Eigenschaften zweier bereits existierender Solarzellen miteinander verbunden und daraus eine neue effektivere Solarzelle hergestellt. Eine weitere besondere Eigenschaft der neuen Solarzelle ist, dass sie im Gegensatz zu herkömmlichen Solarzellen die Stromerzeugung des Photovoltaikmoduls auch dann ermöglicht, wenn sie teilweise durch Laub oder einen Kamin abgeschattet ist. Benjamin Thaidigsmann erhält den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2014 im Fach Physik, weil er in seinem Beitrag sowohl auf Probleme und Schwierigkeiten seiner Forschung eingeht, als auch konkrete Lösungsvorschläge aufzeigt. Der Leser wird dabei mitgenommen und bekommt einen Einblick in die Forschung und einen klaren Eindruck von der Relevanz des Themas.


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