Preisträger

Der Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 1997 bis 1999 richtete sich ausschließlich an Promovierte der Technischen Hochschule Karlsruhe. Ausgezeichnet wurden anschaulich formulierte Doktorarbeiten.

Seit 2006 können sich Promovierte unabhängig von der Universität, an der sie promoviert haben, um den Preis bewerben. Dies bezieht auch ausländische Universitäten mit ein. Ausgezeichnet werden populärwissenschaftliche Artikel in deutscher Sprache.

Aktuelle Preisträger 2012


Biologie

Vita:
Dr. rer. nat. Sebastian Kirschner (geb.1980) studierte von 1999 bis 2005 Biologie an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg und schrieb seine Diplomarbeit am Lehrstuhl für Verhaltensphysiologie und Soziobiologie. 2006 bis 2012 arbeitete er am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, unterstützt durch Stipendien der FAZIT-Stiftung sowie der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Betreut von Prof. Dr. Michael Tomasello (MPI Leipzig) sowie Prof. Dr. Peter Hammerstein von der Humboldt-Universität zu Berlin, schloss Sebastian Kirschner seine Promotion 2011 mit magna cum laude ab. Der Titel seiner Dissertation lautet The Social Origins of Music. Danach arbeitete er weiter als wissenschaftlicher Mitarbeiter am MPI für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Seit Juli 2012 wohnt Sebastian Kirschner in Weimar und nimmt Elternzeit.

Siegerbeitrag
Gemeinsames Musizieren kommt bei unseren nächsten Verwandten, den Primaten, nicht vor. Zwar trommeln sich beispielsweise Gorillas auf die Brust; sie würden aber nie auf die Idee kommen, dieses Trommeln mit dem eines Artgenossen zu synchronisieren. Schon Charles Darwin stellte fest, dass Musikgenuss dem Menschen keinen offensichtlichen Vorteil für das tägliche Überleben bringt. Aber warum musiziert dann der Mensch? In seinem Siegerbeitrag „Der Mensch macht die Musik“ nimmt Sebastian Kirschner den Leser mit auf die Suche nach einer Antwort. Ausgangspunkt ist hierbei die Erkenntnis, dass Musik ursprünglich ein zutiefst soziales Verhalten ist, bei dem aktives Teilnehmen im Vordergrund steht. Nur welchen Überlebensvorteil birgt das Musizieren in der Gruppe? Sebastian Kirschner konnte in Verhaltensstudien mit Kindern nachweisen, dass gemeinsames Musizieren spontane Kooperations- und Hilfsbereitschaft fördert und somit im Laufe der Menschheitsgeschichte für die Gruppendynamik und die soziale Interaktion von Vorteil gewesen sein könnte. Sein Siegerartikel besticht durch einen guten Einstieg und vermittelt eine klare Botschaft. Hierbei erläutert er seine Musikforschung aus dem Blickwinkel der Verhaltensbiologie frisch und elegant.


Chemie

Vita
Dr. rer. nat. Martin Münzel (geb. 1982) studierte ab 2002 Chemie an der Philipps-Universität Marburg, wo er 2007 auch seine Diplomarbeit anfertigte. Durch die Unterstützung der Studienstiftung des Deutschen Volkes wurde ihm anschließend ein Forschungspraktikum an der University of California, Berkeley, USA ermöglicht. Ab 2008 promovierte Martin Münzel an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei Prof. Dr. Thomas Carell. Seine Dissertation mit dem Titel Synthese natürlicher DNA Modifikationen und deren Detektion in DNA – Identifikation und Totalsynthese eines neuartigen DNA Photoschadens schloss er im Jahr 2011 mit der Note summa cum laude ab. Neue Erkenntnisse im Laufe seiner Dissertation trugen dazu bei die Bedeutung der neuen DNA-Base zu entziffern und zwei weitere DNA Bausteine zu entdecken. 2011 wird er mit dem Dr. Klaus Römer Preis für Leistungen während der Doktorarbeit ausgezeichnet. Seit Oktober 2011 arbeitet Martin Münzel mit Förderung eines Marie Curie Stipendiums als Post-Doktorand an der Oxford University.

Siegerbeitrag
Die DNA ist der Bauplan allen Lebens. Im DNA-Strang sind alle Erbinformationen gespeichert. Bei Menschen enthält jede Körperzelle exakt die gleiche DNA mit allen Informationen für die Entwicklung und Funktion des gesamten Körpers, in den einzelnen Zellen ist jedoch nur ein Teil der Gene aktiv. In seinem Artikel „Nachwuchs für die DNA“ beschreibt Martin Münzel wie die Entdeckung neuer DNA-Basen zum besseren Verständnis der Funktion unserer Gene führt. In seinem Siegerartikel erklärt Martin Münzel seine Forschungen sehr verständlich und erläutert für den Leser gut nachvollziehbar die Funktion der neuen DNA-Basen. Dabei übersetzt er die Fachbegriffe sehr anschaulich, so dass der interessierte Leser seine Arbeit und auch Überraschungsmomente bei der Forschung gut nachvollziehen kann.
 
Informatik


Vita
Dr. phil. Natalie Lewandowski (geb. 1983) studierte ab 2001 Angewandte Linguistik an der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań (Polen), wo sie 2004 ihren Bachelor und 2006 im gleichen Themenbereich auch ihren Master ablegte. Während ihrer anschließenden Promotion wurde sie mit einem Stipendium des Graduiertenkollegs „Sprachliche Repräsentationen und ihre Interpretation“ unterstützt. Ihre Promotion legte sie 2011 am Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung (IMS) der Universität Stuttgart mit Auszeichnung ab, betreut von Prof. Dr. Grzegorz Dogil. Ihre Dissertation trägt den Titel Talent in nonnative phonetic convergence. Aktuell arbeitet Natalie Lewandowski am IMS als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich 732.

Siegerbeitrag
In ihrem Artikel „So wie du sprichst, sprech auch ich“ geht Natalie Lewandowski der Frage nach, warum sich Menschen unbewusst in der Aussprache gegenseitig anpassen. Warum sächselt der Sachse weniger, wenn er mit einem Norddeutschen spricht? Oder wie kommt es, dass man bei der Arbeit weniger Dialekt spricht als zu Hause? Sie beschreibt anschaulich das Sprachexperiment, welches sie zur Untersuchung dieser Frage durchgeführt hat. Ihre Untersuchungen ergaben, dass man sich in der Aussprache immer dem Gesprächspartner anpasst, ob man will oder nicht. Der Grad der Anpassung ist allerdings individuell unterschiedlich. Natalie Lewandowski beschreibt in ihrem Siegerartikel ihre Untersuchungen kurz und prägnant, mit klarem Fokus auf ihre Arbeit. Nach dem Lesen weiß der Leser genau, um welche Theorien es ging und was das Neue an der Forschung war.

 
Mathematik


Vita
Dr. rer. nat. Andreas Potschka (geb. 1980) beendete sein Studium der Mathematik, mit dem Nebenfach Informatik, an der Ruprechts-Karls-Universität Heidelberg im Jahre 2006 mit Auszeichnung. Seine Forschungsarbeit verfasste er anschließend am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg. Unter der Leitung von Prof. Dr. Hans Georg Bock legte er im Dezember 2011 seine Promotion mit dem Titel A direct method for the numerical solution of optimization problems with time-periodic PDE constraints ab, welche mit summa cum laude bewertet wurde. 2009 wurde er mit dem Preis "Best talk from a didactical point of view" bei der 14th Belgian-French-German Conference on Optimization in Leuven ausgezeichnet. 2008 wurde er Mitglied der Heidelberg Graduate School of Mathematical and Computational Methods for the Sciences. Seit 2011 leitet er die Nachwuchsforschungsgruppe MOBOCON am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen der Universität Heidelberg.

Siegerbeitrag
Unsere Welt wird immer komplexer. Das gilt nicht nur für die ganz persönliche tägliche Entscheidungsfindung bei ständig wachsender Auswahl an Kaffeevariationen, sondern auch für immer aufwändigere Produktionsmethoden in der Verfahrenschemie. Viele kennen vermutlich das Phänomen, dass sich bei einem Latte Macchiato Milchschaum und Espresso langsam vermischen. Aber lassen sich die Milch und der Espresso eigentlich auch wieder trennen? Vor ähnlichen Fragen steht man häufig in der pharmazeutischen Industrie, wo Wirkstoffe von unwirksamen oder gesundheitsschädlichen Nebenprodukten getrennt werden müssen. In seinem Siegerartikel „Mathe Macchiato: Optimal trennen“ beschreibt Andreas Potschka anschaulich wie komplex die physikalische Trennungsprozesse oft ablaufen. Dabei erklärt er allgemein verständlich die komplizierten Abläufe und Fachbegriffe. Er zeigt, wie diese Prozesse durch Mathematik optimiert werden können und welche Anforderungen der mathematische Algorithmus erfüllen musste, den er hierfür in seiner Doktorarbeit entwickelt hat. In seinem Artikel kommt Andreas Potschka mit einem sprachlichen Bild aus und nimmt den Leser mit in die Geschichte und die wissenschaftliche Fragestellung.



Physik

Vita
Dr. rer. nat. Thomas König (geb. 1980) begann sein Physikstudium an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg im Jahre 2001 und legte nach Aufenthalten in Australien und den USA dort sechs Jahre später seine Diplomprüfung mit der Note „sehr gut“ ab. Von 2007 bis 2011 promovierte er am Deutschen Krebsforschungszentrum und der Universität Heidelberg bei Prof. Dr. Uwe Oelfke. Im Mai 2011 schloss er seine Promotion mit dem Titel Exploring Coherent Phenomena and Energy Discrimination in X-Ray Imaging mit "summa cum laude" ab. Von Juni 2011 bis September 2012 arbeitete Thomas König am Deutschen Krebsforschungszentrum als wissenschaftlicher Angestellter und Leiter des Projekts „Spektrale Computertomographie“. Seit September 2012 ist er am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) tätig, wo er eine Arbeitsgruppe rund um ein Computertomographie-Labor für biomedizinische und Materialforschung aufbaut.

Siegerbeitrag
Jeder, der schon einmal geröntgt wurde, oder eine der zahlreichen Medizin- oder Arztsendungen gesehen hat, weiß, dass Röntgenbilder schwarz-weiß sind. Aber warum ist das so? In der Fotografie gibt es ja schließlich auch Farbfotos. Dieselbe Frage stellte sich Thomas König zu Beginn seiner Promotion. In seinem Siegerartikel „Röntgen – aber bitte in Farbe“ beschreibt er, wie er in seiner Forschungsarbeit untersucht hat, welche Probleme farbige Röntgenbilder mit sich bringen und wie diese sich lösen lassen. Anschaulich geht er auf die physikalischen Zusammenhänge ein, die für eine farbliche Darstellung hochenergetischer Röntgenstrahlung wichtig sind. Außerdem erklärt er allgemein verständlich, dass es bei seiner Forschung nicht nur um bunte Bilder geht, sondern erläutert auch die Möglichkeiten, welche sich dahinter verbergen. So können damit beispielsweise verschiedene Materialien voneinander unterschieden werden. In seinem Artikel beschreibt Thomas König für den Leser verständlich und gut nachvollziehbar den Weg von der Fragestellung seiner Doktorarbeit, über die Probleme bis zum Ergebnis und gibt dabei Ausblicke für die Anwendung.


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