Preisträger

Der Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 1997 bis 1999 richtete sich ausschließlich an Promovierte der Technischen Hochschule Karlsruhe. Ausgezeichnet wurden anschaulich formulierte Doktorarbeiten.

Seit 2006 können sich Promovierte unabhängig von der Universität, an der sie promoviert haben, um den Preis bewerben. Dies bezieht auch ausländische Universitäten mit ein. Ausgezeichnet werden populärwissenschaftliche Artikel in deutscher Sprache.

Aktuelle Preisträger 2013


Biologie

Vita
Dr. phil. nat. Peter Biedermann (geb.  1981) studierte von 2000 bis 2005 Biologie (Bachelor) an der Karl-Franzens-Universität Graz, Österreich. Währenddessen forschte er jeweils mehrere Monate in den USA, Panama und der Mongolei. Sein anschließendes Masterstudium der Ökologie und Evolution an der Universität Bern, Schweiz, schloss er mit Auszeichnung ab. Nach einem Gastaufenthalt am USDA Forest Service in Pineville, USA begann er 2009, wieder in Bern, mit seiner Dissertation zum Thema Evolution of cooperation in ambrosia beetles. Im Rahmen seiner Dissertation war er drei Monate Gastforscher an der University of Wisconsin/Madison, USA. Promoviert wurde er 2012 mit der Auszeichnung summa cum laude an der Universität Bern. Seit 2012 forscht er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Insektensymbiosen am Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena.

Siegerbeitrag
Warum leben Insekten in sozialen Verbänden und verzichten dabei noch darauf, eigene Nachkommen zu produzieren? Seit Charles Darwin erkannte, dass jedes Lebewesen instinktiv egoistisch ist, beschäftigt diese Frage Generationen von Evolutionsbiologen. Peter Biedermann erforschte im Rahmen seiner Promotion die einzigartige soziale Lebensweise und aufwändige Ernährung der Ambrosiakäfer. Diese Käfer züchten Pilze zu ihrer Ernährung. Peter Biedermann fand nicht nur heraus, dass der Kleine Holzbohrer die einzige pilzzüchtende Insektenart ist, bei der auch die Larven eine Rolle bei der Pilzzucht übernehmen. Vor allem konnte er durch seine Züchtungsexperimente zeigen, was Forscher bisher nur vermuteten: Dass es sich für Weibchen mehr lohnt, im Nest zu bleiben und die Schwestern groß zu ziehen, als auszufliegen und ein eigenes Nest zu gründen. Peter Biedermann gelingt es in seinem Artikel „Kinderarbeit bei Gottes Käfern“ die Ergebnisse seiner Promotion in die komplexe Thematik Kooperation einzubetten – und die Ausgangsfrage verständlich zu beantworten. Er bleibt nahe am Leser und überzeugt stilistisch mit anschaulichen Vergleichen und Formulierungen. Für seinen Beitrag erhält er den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2013 im Fach Biologie.


Informatik

Vita
Dr. rer. nat. Barbara Krausz (geb. 1983) studierte von 2002 bis 2008 Informatik (Bachelor und Master) an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Ihre Promotion mit dem Titel Detection and Simulation of Dangerous Human Crowd Behavior erarbeitete sie am Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (Fraunhofer IAIS) in St. Augustin. Betreut wurde sie dabei von Prof. Dr. Christian Bauckhage von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Nach dem Abschluss ihrer in 2012 mit magna cum laude bewerteten Doktorarbeit arbeitete sie bis Juni 2013 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer IAIS in der Arbeitsgruppe Multimedia Pattern Recognition. Zur Zeit bereitet sie mit vier Kollegen die Gründung eines eigenen Unternehmens vor, das mobile Anwendungen für Bildanalyse-Verfahren entwickelt.

Siegerbeitrag
In ihrem Siegerbeitrag „Wann ist es zu voll?“ geht Dr. Barbara Krausz der Frage nach, wie ein Frühwarnsystem helfen könnte, Unglücke zu vermeiden, die durch überfüllte Veranstaltungen ausgelöst werden können. Ein Beispiel hierfür ist die Massenpanik bei der Loveparade 2010. Um ein solches Verfahren zu entwickeln, fragte sie sich, ob es Bewegungsmuster in einer Menschenmenge gibt, die auf gefährliche Situationen hindeuten und wie man diese Muster nutzen könnte, um kritische Situationen frühzeitig zu erkennen. Dabei kam sie zu dem Ergebnis, dass es zu einem Stau in einer Menschenmenge kommt, wenn sich eine hohe Anzahl an Personen pro Fläche mit einer niedrigen Gehgeschwindigkeit versammelt. Bei niedriger Gehgeschwindigkeit kommt es zu seitlichen Schwingungen der Personen. In ihrem Siegerbeitrag erklärt Barbara Krausz  anschaulich, wie die von ihr entwickelten Algorithmen diese seitlichen Schwingungen in Menschenmengen detektieren.  Auf diese Weise könnte man Bilder, die von Sicherheitskameras übermittelt werden, auswerten und frühzeitig Alarm schlagen. Barbara Krausz wird mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft im Fach Informatik ausgezeichnet, weil es ihr zum einen hervorragend gelingt, ihre Forschung verständlich zu erklären. Zum anderen vermittelt die Wissenschaftlerin, warum es wichtig ist, sich mit diesem Thema intensiv zu beschäftigen.

 
Mathematik

Vita
Dr. rer. nat. Martin Strehler (geb. 1982) studierte von 2001 bis 2006 Mathematik an der Technischen Universität Chemnitz und wurde von der Studienstiftung des Deutschen Volkes gefördert. Sein Diplom schloss er mit Prädikat ab und für seine Diplomarbeit über die Optimierung von Fahrkurven von Schiffen in der Binnenschifffahrt wurde er vom Förderverein der Mathematik zu Chemnitz e.V. ausgezeichnet. Von 2006 bis 2007 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart tätig, bevor er 2008 seine Promotion an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus begann. Er promovierte dort in der Arbeitsgruppe Diskrete Mathematik und Grundlagen der Informatik bei Prof. Dr. Ekkehard Köhler über das Thema Signalized Flows – Optimizing Traffic Signals and Guideposts and related Network Flow Problems. Seine Dissertation schloss er im Februar 2012 mit summa cum laude ab und erhielt dafür den Universitätspreis für die beste Dissertation der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus des Jahres 2012. Seither ist Martin Strehler weiterhin in Forschung und Lehre an der BTU Cottbus tätig.

Siegerbeitrag
In seinem Beitrag „Ganz schnell raus“ zeigt Dr. Martin Strehler, dass auch in unscheinbaren Dingen spannende Mathematik stecken kann. Zum Beispiel in den kleinen grünen Notausgangsschildern in Gebäuden – wenn ihre Platzierung optimal berechnet  wurde, können sie bei einem Brand Leben retten. Die Mathematik hilft nämlich dabei, Fluchtwege im Gebäudebau zu berücksichtigen, so dass es im Ernstfall nicht zum Gedränge - beispielsweise vor einer schmalen Tür - kommt. In seiner Promotion widmete sich Martin Strehler der Fragestellung, wie Wege gewählt und in welche Richtung Wegweiser zeigen müssen, um die größtmöglichste Anzahl an Personen zu bewegen und in Sicherheit zu bringen. Dass bestehende Modelle und Algorithmen nicht einfach angewandt werden können, erklärt er in verständlichen Worten und erläutert seine Ansätze zur Optimierung. Martin Strehler bringt  in seinem Artikel ein hochkomplexes mathematisches Problem dem Leser nahe – und wird dafür mit dem Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2013 im Fach Mathematik ausgezeichnet. 

 
Neurowissenschaften

Vita
Dr. rer. nat. Philipp Berens
(geb. 1981) studierte Bioinformatik (Diplom) und Philosophie (Bachelor) an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Seine Diplomarbeit absolvierte er mit Auszeichnung am Max-Planck Institut für biologische Kybernetik in Tübingen und am Baylor College of Medicine in Houston. Gefördert durch Doktorandenstipendien der Max-Planck-Gesellschaft und der Studienstiftung des Deutschen Volkes promovierte er von 2008 bis 2013 im Rahmen der Graduiertenschule für Neuro- und Verhaltenswissenschaften Tübingen. Seine mit summa cum laude ausgezeichnete Doktorarbeit hat den Titel Population coding of orientation in primary visual cortex – theory and experiment und wurde betreut von Prof. Dr. Matthias Bethge, Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik, Tübingen, und von Prof. Dr. Andreas Tolias, Baylor College of Medicine, Houston, USA, wo Berens den experimentellen Teil seiner Arbeit durchführte. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit im Masterstudiengang „Zelluläre und Molekulare Neurowissenschaft“ an der Universität Tübingen wurde Philipp Berens zweimal mit dem Lehrpreis ausgezeichnet. Seit Mitte 2012 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bernsteinzentrum für Computational Neuroscience, Tübingen, beschäftigt und besucht als Gastwissenschaftler weiterhin das Baylor College of Medicine, Dept. of Neuroscience, Houston, USA. Seit August 2013 ist Berens für ein Jahr in Elternzeit für sein drittes Kind.

Siegerbeitrag
Unsere Wahrnehmung basiert auf der Aktivität tausender Nervenzellen im Gehirn. Bisher sind zwar die Funktionen einzelner Gehirnregionen und die Verbindung einzelner Nervenzellen bekannt, jedoch weiß man noch nicht, wie genau Informationen in großen Nervennetzen verarbeitet werden. Philipp Berens verdeutlicht diese Problematik, indem er das Gehirn mit einem Computer vergleicht: man kann zwar durch Austesten die Funktion einer Computermaus herausfinden, jedoch kann man den Computer nicht vollends verstehen, wenn man die Programmiersprache nicht kennt. Anhand dieses anschaulichen Bildes leitet Berens seine Leser durch seine Forschungsarbeit. Um die „Programmiersprache des Gehirns“ zu entschlüsseln, verband er experimentelle Techniken mit modernen mathematischen Verfahren. In seinen Experimenten zeichnete er die Aktivitätsmuster von Nervenzellen auf, die die Reaktion auf bestimmte Lichtreize verarbeiten und interpretierte diese Daten anschließend mit statistischen Methoden. Mit Rückblicken in die Hirnforschung der 50er Jahre und klaren Formulierungen gelingt es Berens die Komplexität seines Forschungsgegenstandes in einen fesselnden Beitrag zu verwandeln. Das Urteil der Jury war eindeutig: Philipp Berens erhält den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2013 im Fach Neurowissenschaften für seinen herausragenden Beitrag.



Physik

Vita

Dr.-Ing. Christiane Heinicke
(geb. 1985) studierte von 2005 bis 2008 Technische Physik an der TU Ilmenau. Während dieser Zeit verbrachte sie vier Monate am Massachusetts Institute of Technology, Cambridge, USA. Ihr Masterstudium der Geophysik absolvierte sie anschließend bis 2010 an der Uppsala Universitet, Schweden, und an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, Schweiz. Während ihres Studiums war sie Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Für ihre Promotion zum Thema Local Lorentz Force Velocimetry for liquid metal duct flows, die sie am Institut für Thermo- und Fluiddynamik der TU Ilmenau 2010 begann, forschte sie zwei Monate  am Geophysical Institute der University of Alaska, Fairbanks, USA. Ihrer Forschungsgruppe Thermo- und Magnetofluiddynamik an der TU Ilmenau ist sie nach Abschluss ihrer Dissertation 2013 bisher treu geblieben. Neben ihrer wissenschaftlichen Karriere widmet sie sich der Musik: nach vielen Jahren als Klavierspielerin begann sie zeitgleich mit ihrer Promotion das Cellospielen.

Siegerbeitrag
Geschmolzener Stahl ist äußerst aggressiv und deshalb schwer kontrollierbar. Wenn bei der Produktion etwas mit der Schmelze nicht stimmt, ist jeder Eingriff an den Maschinen kostspielig und ressourcenaufwändig. Um zu erkennen, ob  sich Bestandteile des Stahls entmischen, erstarren und verklumpen, müsste man die Fließgeschwindigkeit der heißen, aggressiven Masse bestimmen. Doch ein entsprechendes Messgerät gibt es noch nicht. Christiane Heinicke hat mit ihrer Dissertation dazu beigetragen, dass die angewandte Wissenschaft einem solchen Messinstrument näher kommt. Sie entwickelte einen Sensor, der mit Hilfe eines Mini-Magneten  Verklumpungen in der flüssigen Stahllegierung entdecken kann. Für den Einsatz in der Industrie muss der Sensor noch weiter entwickelt werden, aber der physikalische Grundstein ist gelegt. Mit ihrem Beitrag „Röntgenblick dank Mini-Magnet“ überzeugte Christiane Heinicke die Jury. Für die Anschaulichkeit und Leichtigkeit ihrer Formulierungen, mit denen sie den Leser durch die komplizierten physikalischen Verfahren der Magnetohydrodynamik leitet, erhält sie den Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft 2013 im Fach Physik.

© Klaus Tschira Stiftung

Fächer | Gewinner

_________________________

Dokumente

Portraits 2013

Rückblick

Siegerbeiträge